Zusammengestellt von Marie Le Sourd, On the Move,
in Zusammenarbeit mit DutchCulture I TransArtists
 

Künstlerresidenzen und AiR-Programme: finden, auswählen und bewerben

Künstlerresidenzen, was ist damit gemeint?

“Artists and other creative professionals can stay and work elsewhere temporarily by participating in artist-in-residence programs and other residency opportunities. These opportunities offer conditions that are conducive to creativity and provide their guests with context, such as working facilities, connections, audience, etc.” (Quelle: DutchCulture I TransArtists) 

Der Begriff der Künstlerresidenz (alt. Residenzprogramm, Artist-in-Residence-Programm, AiR-Programm) – entsprechend auch Residenzprogramm für andere Kulturakteurinnen und -akteure – ist im Kunst- und Kulturbereich recht populär. Dabei sind Profile und Intentionen von Residenzen vielfältig: Sie sind Teil des Programms von Veranstaltungshäusern oder Festivals; sie können der eigentliche und einzige Tätigkeitsschwerpunkt von Kulturinstitutionen sein oder auch einmalige Projekte. Oft werden sie in kulturellen Einrichtungen durchgeführt oder sie finden an kulturfernen Orten, wie Schulen, Firmen, Krankenhäusern, Gefängnissen oder ehemaligen Industriekomplexen etc. statt, manchmal in urbanen, manchmal in ländlichen Kontexten. Einige Programme zielen auf die Erschaffung künstlerischer Werke ab, andere konzentrieren sich auf den kreativen (oder wissenschaftlichen) Prozess. Sie sind themenspezifisch oder thematisch offen, stehen Künstlerinnen und Künstlern bestimmter Disziplinen zur Verfügung oder ermöglichen bzw. fordern explizit ein Zusammenspiel verschiedener Disziplinen und Sektoren. 

Ein ganzer Kosmos von Möglichkeiten – und manchmal auch Verwirrungen – umgibt die Welt der Künstlerresidenzen. Künstlerinnen und Künstler, Kulturakteurinnen und -akteure sind daher gut beraten, sich einen Überblick über die vielfältigen zur Verfügung stehenden Informationsquellen zu verschaffen.

Woran sollte man bei der Planung und Vorbereitung eines Gastaufenthalts denken? Was sind die Spezifika der verschiedenen Residenzen? Wie sind die jeweiligen Bewerbungsvoraussetzungen und wie verläuft das Bewerbungsprozedere? 

Dies sind nur einige Fragen von vielen denen interessierte Künstlerinnen und Künstler gegenüberstehen. Antworten finden sich bspw. in dem Artikel ‚What are Residencies?‘ von DutchCulture I TransArtists. 

DutchCulture I TransArtists ist DIE online Plattform für internationale Künstlerresidenzen und eine wichtige Informationsquelle zu Fragen rund um AiR-Programme. Die Informationen auf der Website zu durchstöbern, sollte auf keinen Fall verpasst werden!

Auf der Website steht u.a. auch eine Checkliste zur Verfügung, die Orientierung vor einer Bewerbung bietet. Die Checkliste ist in vier Abschnitte gegliedert: Motivation, Suche und Auswahl, Bewerbung sowie Finanzierung.

Ebenso lohnt es sich, den ‘Guide for Artists‘ Residencies‘ der Alliance of Artists Communities zu durchstöbern.

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Hinweise für Künstlerinnen und Künstler, Kulturakteurinnen und -akteure in Deutschland: ein Residenzprogramm im Ausland finden

Informationsplattformen und -quellen

DutchCulture I TransArtists 
DutchCulture I TransArtists bietet die umfangreichste Online-Informationsquelle für Residenzprogramme weltweit. Die Website umfasst Kontakte, Ratschläge und Hilfestellungen, offene Ausschreibungen, Berichte aus erster Hand genauso wie eine Datenbank, in der – bspw. nach Ländern oder Themen – nach Residenzprogrammen recherchiert werden kann.

Res Artis – Worldwide Network of Artist Residencies
Res Artis ist ein in den Niederlanden ansässiges Netzwerk von Künstlerhäusern mit Mitgliedern in mehr als 70 Ländern. Ziel ist die Vernetzung von Organisationen und Einzelpersonen, die im Bereich Künstlerresidenzen tätig sind. Die Website ist eine weitere gute Quelle, um weltweit nach Künstlerhäusern zu recherchieren! 


Residenzen deutscher Institutionen im Ausland – speziell für deutsche bzw. in Deutschland lebende Künstler/innen und Kulturschaffende

Residenzprogramme des Goethe-Instituts
Das Goethe-Institut unterhält eigene Programme und kooperiert darüber hinaus mit verschiedenen Institutionen weltweit, bspw. mit der Camargo Foundation in Frankreich oder dem Lostgens Contemporary Art Space in Kuala Lumpur (Malaysia). Die Residenzen stehen deutschen Künstlerinnen und Künstlern zur Bewerbung offen.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BMK) und die Bundesländer
Die BKM und die Bundesländer ermöglichen Gastaufenthalte bspw. in der Villa Massimo und der Casa Baldi (Rom), in der Villa Romana (Florenz), am Deutschen Studienzentrum Venedig oder an der Cité Internationale des Arts (Paris).

Diese und weitere von deutschen Einrichtungen angebotenen AiR-Programme im Ausland für deutsche oder in Deutschland ansässige Künstlerinnen, Künstler und Kulturschaffende der Sparten Bildende und Darstellende Kunst sind in der touring artists Datenbank gesammelt.


Länderschwerpunkte

China: China Residencies 
China Residencies ist eine non-profit Organisation, die eine Website zu Künstlerresidenzen in China veröffentlicht hat. Diese bietet Künstlerinnen und Künstlern, Kulturakteurinnen und -akteuren einen leichten Einstieg in die Welt der Residenzen in China.

Frankreich: Residencies in France
Das Centre National des Arts Plastiques hat das Handbuch 'Residencies in France' zu Künstlerresidenzen in Frankreich herausgebracht. Es steht online zur Verfügung.

Japan: AIR_J – Online Database of Artist-in-Residence Programs in Japan 
AIR-J ist eine umfangreiche Informationsquelle für Residenzen aller künstlerischen Disziplinen in Japan.

Luxemburg: Ein Leitfaden zu Residenzen in Luxemburg findet sich auf der Website culture.lu, veröffentlicht vom Ministerium für Kultur Luxemburg (in französischer Sprache).

USA: Alliance of Artists Communities 
Die Alliance of Artists Communities bietet – neben vielen anderen Aktivitäten – Künstlerinnen, Künstlern und Künstlerhäusern umfangreiche Informationen rund um das Thema Residenzen vor allem in den USA. Auf der Website steht ein Residenzprogrammverzeichnis bereit, genauso wie Informationen zu Netzwerken, Tipps für Fördermöglichkeiten und Bewerbungen.

Weitere länderspezifische Residenzplattformen, z. B. zu Spanien, Finnland, Taiwan, Latein Amerika etc. sind auf der Website von DutchCultur I TransArtists gesammelt. Die Liste 'Regional Artist-in-Residence Platforms' ist hier zu finden. 

Ebenfalls auf der Website von DutchCultur I TransArtists stehen Künstlerresidenzen-Mappings zur Verfügen, d.h. Sammlungen von Residenzmöglichkeiten für einzelne Disziplinen oder auch in bestimmten Regionen – bspw. in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Europa, etc.


Thematische Schwerpunkte

Residenzprogramme zu Kunst und Umweltfragen 
Die amerikanische Alliance of Artists’ Communities befasst sich u.a. mit Kunst und Umweltfragen. Informationen zu ökologisch orientierten Residenzen – 'Art + Ecology: Residency Programs' – sind auf der Website zu finden. Außerdem sind praktische Hinweise und weiterführende Informationen hier verlinkt. 

Digitale Kunst und e-Mobility 
Für Künstlerinnen und Künstler, Kulturakteurinnen und -akteure, die sich für digitale Kunst und e-Mobility interessieren, kann die Forschungsarbeit 'ON-AiR Research on Digital Mobility Opportunities' interessant sein.

Weitere Informationsquellen

Policy Handbook on Artists’ Residencies der Europäischen Union
Das Policy Handbook on Artists' Residencies aus dem Jahr 2014 ist das Ergebnis einer EU-Arbeitsgruppe im Rahmen der offenen Koordinierungsmethode (OKM) zu Künstlerresidenzen. Das Handbuch ist eine nützliche Informationsquelle zu unterschiedlichen Residenz-Modellen und sammelt Good-Practice-Beispiele und Residenzprogramme in Europa.

A/I/R/ ARRAY: Perspectives on Artist in Residence Programmes
A/I/R/ ARRAY: Perspectives on Artist in Residence Programmes ist eine Dokumentation der Veranstaltung A/I/R/ ARRAY: Meeting of AiR Programmes and Mobility Workshop for Artists’ im Jahr 2015. Die Themen Aufbau und Organisation eines Residency-Programms, Verortung von AiR-Programmen im System der zeitgenössischen Kunst, Hinweise für Künstler/innen, die an einem Programm teilnehmen wollen u.a. werden diskutiert.

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Hinweise für Künstlerinnen und Künstler, Kulturakteurinnen und -akteure im Ausland: eine Residenz in Deutschland finden

Goethe-Institut – Künstlerhäuser in Deutschland
Das Goethe-Institut stellt eine Übersicht der Künstlerhäuser in Deutschland auf der Website zur Verfügung – sortiert nach Bundesländern und eine knappe Zusammenfassung des jeweiligen Programmprofils und Auswahlverfahrens beinhaltend. 

Policy Handbook of Artists‘ Residencies der Europäischen Union
Das ‘Policy Handbook of Artists‘ Residencies‘ (2014) der EU-Arbeitsgruppe im Rahmen der offenen Koordinierungsmethode (OKM) zu Künstlerresidenzen beinhaltet – neben vielen weiteren nützlichen Infos! – Residenzprogramme in Deutschland, die von der Bundesregierung oder den Bundesländern gefördert werden. 

touring artists Datenbank
Die touring artists Datenbank listet 58 Residenzmöglichkeiten in Deutschland für Bildende und Darstellende Künstlerinnen und Künstler aus dem Ausland auf, die einen Aufenthalt in Deutschland fördern. 

BerlinArtLink
Auf der Website BerlinArtLink sind Künstlerresidenzen in Berlin gesammelt. 

Dutch Culture I TransArtists Datenbank
Die Datenbank von Dutch Culture I TransArtists beinhaltet etwas 100 Residenzprogramme in Deutschland. Hier sind Residenzprogramme für sämtliche künstlerische Disziplinen erfasst; das Spektrum reicht von Programmen, die sämtliche Kosten tragen bis hin zu solchen, die keinerlei Kosten übernehmen. 

Res Artis – Worldwide Network of Artist Residencies Datenbank
Eine weitere Datenbank, die neben vielen weltweiten Künstlerresidenzen auch solche in Deutschland beinhaltet, findet sich auf der Website von Res Artis – Worldwide Network of Artist Residencies. 


Praktische Tipps für die Vorbereitung

• Ggf. notwendige administrative Regularien einhalten bspw. bezüglich Einreise und Aufenthalt, Sozialversicherung und/oder Steuern. 

• Mit Kolleginnen und Kollegen, die an einem Residency-Programm in Deutschland teilgenommen haben sprechen (bspw. über Künstler/innennetzwerke, Kontakte der Goethe Institute etc.). Informationen aus erster Hand sind immer nützlich!

• Sicherstellen, dass alle Kosten (Reisekosten, Unterkunft, täglicher Bedarf, Produktionskosten etc.) gedeckt sind. Manche AiR-Programme übernehmen sämtliche Kosten, manche gar keine oder nur anteilig. Im Abschnitt ‚Förderung und offene Ausschreibungen‘ sind Informationen dazu gesammelt.

• Ein paar Worte Deutsch lernen, auch wenn es keine Voraussetzung ist. Das ist immer hilfreich.


Der Artikel 'Künstlerhäuser und Residency-Programme in Deutschland' (2009) auf der Website des Goethe-Instituts bietet allgemeine Informationen zu Residenzen und Künstlerhäusern in Deutschland.

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Förderung und offene Ausschreibungen

DutchCulture I TransArtists hat eine Checkliste zum Thema Finanzierung eines Residency-Aufenthaltes zusammengestellt. 

On the Move (OTM), das Cultural Mobility Information Network, veröffentlicht auf der Website (und über Facebook und Twitter) regelmäßig Residenzmöglichkeiten und offene Ausschreibungen, bei denen Reisekosten zumindest anteilig übernommen werden.
OTM hat außerdem etwa 50 Cultural Mobility Funding Guides koproduziert – für Länder in Europa, in Asien, im arabischen Raum und für die USA. 

Die Green Art Lab Alliance (GALA) hat den Funding Guide on funding opportunities for art and culture projects related to environmental sustainability veröffentlicht. Auf den Seiten 27 bis 31 werden Residenzen mit dem Themenschwerpunkt Kunst/Kultur und ökologische Nachhaltigkeit vorgestellt.

Der Fund-Finder – A guide to funding opportunities for arts and culture, beyond Creative Europe vom International Network for Contemporary Performing Arts (IETM) beinhaltet einen Abschnitt zu geförderten Residenzen und Stipendien (Seiten 12 und 13).

Der Artguide Germany für den Bereich der Bildenden Kunst, zusammengestellt vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), stellt im Kapitel ‚Förderung‘ auch eine Liste mit Residenzen bereit.

Ausschreibungen und News

Um über aktuelle Ausschreibungen und anstehende Deadlines informiert zu bleiben, folgt man am besten den Newslettern und sozialen Netzwerken der hier genannten Informationsplattformen, zum Beispiel von Dutch Culture I TransArtists und Res Artis.

Ausschreibungsübersichten sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, um zwecks eigener Vorhaben und Bewerbungen am Ball zu bleiben: Dutch Culture I TransArtists_DeadlinesDutch Culture I TransArtists_CallsRes Artis_Deadlines

Tänzerinnen und Tänzer sowie Choreografinnen und Choreografen können den Neuigkeiten zu Ausschreibungen und Stipendien auf der Website Dancing Opportunities folgen.

Residenzen für Kuratorinnen und Kuratoren werden bspw. vom Curators’ Network veröffentlicht und stehen auch auf der Plattform Call for Curators zur Verfügung.

On the Move aktualisiert regelmäßig seine Website hinsichtlich Ausschreibungen und News. Ein Newsletter ist in englischer, französischer, spanischer, italienischer und deutscher Sprache erhältlich.

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Erfahrungsberichte: das Know-how von Kolleginnen und Kollegen nutzen

Der Blog Artists in Transit, veröffentlicht von der IGBK, bietet direkten Einblick in die Erfahrungen reisender Künstlerinnen und Künstler.

Das Kapitel Residenzprogramme des Goethe-Instituts auf der Website des GI bietet auf der Unterseite 'Magazin' Artikel, Erfahrungsberichte und Einblicke von Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Kuratorinnen und Kuratoren.

Artikel, Essays, Diskussionen und Erfahrungsberichte zu AiR-Erfahrungen sind auch auf der Website von DutchCulture I TransArtists zu finden.

Die Website von Res Artis beinhaltet ebenfalls eine Rubrik mit Reports und Materialien.

Publikationen von pépinières européennes pour jeunes artistes zu den eigenen Programmen und Projekten finden sich hier.

Auf Rate My Artist Residency teilen Künstlerinnen und Künstler, Kulturakteurinnen und -akteure Feedback und Kommentare zu Residenzerfahrungen. 

Culture vulture with residencies ist ein journalistischer Blog zu Künstlerresidenzen weltweit.

Das touring artists Forum bietet die Möglichkeit sich neben vielen anderen Themen auch zu Künstlerresidenzen auszutauschen.

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