Newsletter März 2017

Liebe Künstler*innen und Kolleg*innen,

zum Frühlingsanfang erhalten Sie den dritten touring artists Newsletter. Diese Ausgabe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Einkommen- und Umsatzsteuer bei grenzüberschreitenden künstlerischen Tätigkeiten.

Darüber hinaus informieren wir wieder über Neuigkeiten rund um die internationale Mobilität, über aktuelle Ausschreibungen, Gesetzesänderungen und Veranstaltungen sowie über Neuigkeiten zu unserem Informationsportal touring artists.

Im Überblick:

Unseren Newsletter finden Sie auch unter folgenden Links: www.touring-artists.info/home/newsletter/ (deutsch), www.touring-artists.info/en/home/newsletter/ (englisch).

Die touring artists Redaktion wünscht Ihnen eine anregende Lektüre und einen schönen Frühlingsanfang!

 

SCHWERPUNKT

>>> 3 FRAGEN AN

Christoph Weiß, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, www.kreativwirtschaften.de

Bei Darstellenden Künstler*innen gibt es in Bezug auf die Einkommensteuer eine Sonderregel, die nahezu weltweit gilt: Der Staat, in dem der Auftritt stattfindet, darf Einkommenssteuer auf die Gage erheben. Der Wohnsitzstaat muss die dort gezahlte Einkommensteuer berücksichtigen. Unter welchen Umständen kommt es hier nach Ihren Erfahrungen dennoch zu Schwierigkeiten, wo bleiben Fragen offen?

Christoph Weiß: Deutschland hat mit einer Vielzahl von Staaten sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen. Diese Doppelbesteuerungsabkommen werden meist auf Grundlage eines Musterabkommens verhandelt, das in der Regel im Rahmen der Verhandlungen individuell angepasst wird. In diesem Musterabkommen gibt es einen Artikel, der dem Staat, in dem der*die Künstler*in auftritt, ein Besteuerungsrecht einräumt. Der Wohnsitzstaat muss dann aber meist die an den anderen Staat gezahlte Steuer anrechnen.

In letzter Zeit treten vermehrt Probleme von in Deutschland ansässigen Künstler*innen auf, die in Polen auftreten. Das Doppelbesteuerungsabkommen mit Polen (DBA - Polen) weicht deutlich von den meisten DBAs ab. So gibt es bspw. einen zusätzlichen Absatz, der den "Künstler-Artikel" für nicht anwendbar erklärt, wenn die Gage aus Mitteln der öffentlichen Hand gezahlt wird.
Polen steht hier auf dem Standpunkt, dass es die Steuer auf der Grundlage von anderen Vorschriften einbehalten darf. Die deutschen Finanzämter weisen dies zurück und weigern sich, die polnische Steuer anzurechnen, weil das DBA - Polen nicht mehr anwendbar sei.
Einer meiner Mandanten wurde nun von Polen und Deutschland ohne Anrechnung besteuert. Ich habe Einspruch eingelegt und ein Verständigungsverfahren auf ministerieller Ebene beantragt. Nun hoffe ich, dass ein Staat einlenken wird. Sonst werden wir den Klageweg beschreiten müssen.

Was hat ein*e Bildende*r Künstler*in mit Wohnsitz in Deutschland hinsichtlich der Umsatzsteuer zu beachten, wenn er regelmäßig mit ausländischen Unternehmen zu tun hat - wenn er bspw. das Recht an einen Verlag im EU-Ausland überträgt, eines seiner Bilder in einer Publikation zu verwenden?

Weiß: Vorab sei allen Künstler*innen ohne ein durchsetzungsstarkes Backoffice dringend geraten, Auslandsgeschäfte nur mit Unternehmen abzuwickeln. Notfalls sollte ein Unternehmen zwischengeschaltet werden, auch wenn dies natürlich mitverdienen möchte. Anderenfalls werden die Prozesse meist nicht mehr handhabbar.

Die Einräumung von Nutzungsrechten gilt als sonstige Leistung. Werden die Rechte von einem*r Unternehmer*in - ein*e Künstler*in ist grundsätzlich Unternehmer*in, auch wenn er*sie von sich selbst ein anderes Bild hat - an ein anderes Unternehmen im Ausland, z. B. einen Verlag, übertragen, muss der Verlag die Umsatzsteuer im Ausland abführen. Dies funktioniert aber nur dann reibungslos, wenn beide Unternehmer*innen unter ihrer Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt-IdNr.) auftreten und diese in der Rechnung angeben. Das Ganze wird im „Steuerslang“ als Reverse-Charge-Verfahren bezeichnet.

Bezüglich der Rechnungsstellung bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten tauchen sowohl bei Künstler*innen als auch bei den einladenden Veranstalter*innen immer wieder Fragen auf. Nehmen wir folgendes Beispiel: Ein deutscher Festivalveranstalter lädt ein Künstlerduo aus Frankreich ein - eine Tänzerin und einen Installationskünstler. Beide sind in Frankreich umsatzsteuerpflichtig und stellen ihre Leistung separat in Rechnung. Welcher Hinweis bzgl. der Umsatzsteuer sollte jeweils auf den Rechnungen stehen?

Weiß: Für die beiden Künstler*innen gilt: Es handelt sich um eine sonstige Leistung. Wie schon oben erwähnt, sollte die Rechnung der Künstler*innen an den Veranstalter sowohl die eigene als auch die Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt-IdNr.) des Veranstalters enthalten. Wie bei jeder Rechnung muss außerdem etwas zur Umsatzsteuer gesagt werden. Hier hat sich der Satz: „Reverse-Charge“ im internationalen Rechtsverkehr eingebürgert.
Die genauen Vorschriften zur Rechnung regelt in diesem Fall das französische Recht. Allerdings gilt auch in Frankreich die Mehrwertsteuersystemrichtlinie. Es ist daher davon auszugehen, dass die Anforderungen an eine Rechnung zumindest mit den deutschen Regelungen vergleichbar sind.

Der deutsche Veranstalter ist in der Pflicht, die Rechnungen auf Richtigkeit zu prüfen. Hierbei ist wichtig, dass er die Gültigkeit der jeweiligen Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt-IdNr.) der beiden Künstler*innen überprüft - und zwar mit dem qualifizierten Bestätigungsverfahren des Bundeszentralamts für Steuern.

Christoph Weiß, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, berät Künstler*innen in den Bereichen der Einkommen- und der Umsatzsteuer sowie zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Zudem übernimmt er Mandate im Urheberecht, Medienrecht und Querschnittsmaterien aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Er ist Lehrbeauftragter an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Darüber hinaus arbeitet er als freier Kurator und hat an über 100 Ausstellungen federführend mitgewirkt. Viele Jahre leitete er unter anderem den Kunstraum B in Kiel. Zurzeit arbeitet er an einem privaten Galerie-Projekt.

>>> NEWS

touring artists Steuerworkshop im Frühjahr
touring artists und SMartDe – Netzwerk für Kreative veranstalten einen weiteren Steuer-Workshop für Künstler*innen und Kulturveranstalter*innen, der noch vor der Frist zur Einkommensteuererklärung am 31. Mai 2017 stattfinden soll. Termin und weitere Informationen finden sich in Kürze auf Facebook.

Deadline für Steuererklärung 2016
Die Frist zur Abgabe der Einkommensteuererklärung 2016 ist der 31. Mai 2017, sofern Sie zur Abgabe verpflichtet sind. Wenn die Steuererklärung mit einem*r Steuerberater*in erstellt wird, gilt der 31. Dezember 2017 als Deadline.
Ab dem Steuerjahr 2018 soll es eine Fristverlängerung geben: Wer seine Steuererklärung selbst macht, kann diese bis zum 31. Juli des Folgejahres einreichen.

Bundesreisekostengesetz
Ab dem 1. Januar 2017 gelten die neuen Sätze für Tage- und Übernachtungsgelder bei Reisen ins bzw. im Ausland. Sie sind der aktuellen Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über die Neufestsetzung der Auslandstage- und Auslandsübernachtungsgelder (ARVVwV) zu entnehmen: ARVVwV.
Anwendung finden sie im Rahmen des Bundesreisekostengesetzes (BRKG) und müssen bei der Abrechnung von durch die BRD geförderten Projekten beachtet werden.
Mehr Informationen zum BRKG finden sich auf touring artists hier.

Neue Pauschbeträge für berufliche Auslandsreisen
Ab dem 1. Januar 2017 gelten neue Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen und Übernachtungskosten für berufliche Reisen im und ins Ausland. Mittels dieser Pauschbeträge können Reisekosten steuerlich geltend gemacht werden. Das entsprechende Rundschreiben des Bundesfinanzministeriums mit einer Übersicht zu den Pauschbeträgen findet sich hier.
Mehr Informationen zu Reisekosten und zur steuerlichen Absetzbarkeit finden sich auf touring artists hier.

Öffentliche Konsultationen der Europäischen Kommission zum Thema Steuern
Öffentliche Konsultation zur Reform der Mehrwertsteuersätze sowie zur Sonderregelung von Kleinunternehmen der Europäischen Kommission, Generaldirektion für Steuern und Zollunion
Beide Online-Konsultationen sind noch bis zum 20. März 2017 offen und finden sich hier.

>>> TOURING ARTISTS FAVOURITES

Informationsschrift: Steuertipps für Künstlerinnen und Künstler
Die fünfte Auflage (2016) der Informationsschrift des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat steht hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

Publikation: Andri Jürgensen, Praxishandbuch Ausländersteuer
1. Auflage 2013. XX, 220 Seiten, Verlag Kunst Medien Recht, ISBN 978-3-937641-02-7 – mehr Informationen hier.

 

TOURING ARTISTS NEWS

touring artists Relaunch
Die touring artists Website präsentiert sich in einem neuen Look und ist ab sofort auch mit mobilen Geräten besser lesbar. Sehen Sie selbst: www.touring-artists.info

Neue Informationen: Künstlerstatus und Verträge
In der internationalen Arbeit werden Künstler*innen, ebenso wie Veranstalter*innen, die Kulturschaffende aus dem Ausland einladen, schnell mit Fragen rund um den rechtlichen Status konfrontiert. Der Status von Künstler*innen und Kulturschaffenden kann je nach Land verschieden sein und davon leiten sich Fragen hinsichtlich der Arbeitserlaubnis, des Gehalts, der zu zahlenden Steuern, der Sozialleistungen etc. ab.
Für die verschiedenen Arbeitsverhältnisse im Kultursektor gibt es unterschiedliche Vertragsarten. Gerade dann, wenn bei Kooperationen, Projekten, Verkäufen usw. die Vertragspartner*innen in verschiedenen Ländern ansässig sind, sind einige Dinge zu bedenken.
touring artists stellt jetzt zu diesen Themen Informationen bereit, der neue Baustein findet sich hier.

touring artists to go!
Die Begleitbroschüre touring artists to go! wurde aktualisiert und erweitert. Bestellungen sind ab sofort möglich, gerne per E-Mail an die touring artists Redaktion: info@touring-artists.info.

Kunst- und Kreativwirtschaft – Runder Tisch am 29. März 2017 in Berlin
touring artists informiert schwerpunktmäßig Künstler*innen und Veranstalter*innen der Darstellenden und der Bildenden Kunst. In diesem Jahr wollen wir beginnen, das Informationsangebot auch für andere Sparten und Akteur*innen der Kultur- und Kreativwirtschaft zu öffnen. Am 29. März 2017 lädt touring artists gemeinsam mit SMartDe zu einem Runden Tisch mit Verbänden der Kultur- und Kreativwirtschaft ein. Welche Informationen auf www.touring-artists.info bedürfen einer Differenzierung, welche fehlen? Hierzu wollen wir in den Austausch treten und einen Dialog anregen. Die Veranstaltung findet von 15.30 bis 17.30 Uhr im Internationalen Theaterinstitut, Kunstquartier Bethanien (Mariannenplatz 2, 10997 Berlin) statt. Wir bitten um Anmeldung bis zum 24. März unter: projekt2@iti-germany.de (Alexandra Hunger).

touring artists in Mannheim
Eingeladen vom Kulturamt der Stadt Mannheim präsentiert und diskutiert touring artists am 05. Mai 2017 in Mannheim im Rahmen des Workshops „Internationalisierung in der künstlerischen Arbeit“ Fragestellungen zur Mobilität. Genaue Informationen finden sich in Kürze auf Facebook.

Neue Einträge in unserer Projektlandkarte
Nach wie vor sammelt die touring artists Redaktion Projekte in den Bereichen Bildende Kunst und Darstellende Kunst von, für und mit geflüchtete/n Menschen in Deutschland und bildet sie in der Projektlandkarte mit Kurzinformationen ab.
Gerne nehmen wir auch Ihr Projekt auf: Füllen Sie hierfür einfach das kurze Formular aus.

 

AUSSERDEM

>>> AKTUELLE GESETZESÄNDERUNGEN

Angemessene Vergütung für Kreative
Das Urheberrecht regelt die Rahmenbedingungen für Verträge zwischen Urheber*innen und ausübenden Künstler*innen einerseits und Verwerter*innen andererseits, also bspw. mit Verlagen, Plattenfirmen oder Sendeunternehmen. Urheber*innen und Künstler*innen können künftig ihren Anspruch auf eine angemessene Vergütung besser durchsetzen. Die Reform des Urhebervertragsrechts tritt am 1. März 2017 in Kraft. Mehr Informationen hier.

Visa-Erleichterungen für Bürger*innen aus der Ukraine
Die Europäische Union plant Visa-Erleichterungen für Bürger*innen aus der Ukraine: Staatsangehörige der Ukraine sollen noch im ersten Halbjahr 2017 befristet (bis zu 90 Tage) visumfrei in den Schengenraum einreisen dürfen. Weitere Informationen finden sich hier.


>>> GUT ZU WISSEN!


Die Höhe des Mindestlohns in der EU weist erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten auf: Sie rangiert zwischen 215 und 1.923 Euro pro Monat, wobei Bulgarien das Schlusslicht bildet und in Luxembourg die höchsten Mindestlöhne gezahlt werden; Deutschland liegt im oberen Drittel. Eine aktuelle Übersicht der Mindestlöhne bietet die aktuelle Datenübersicht „Mindestlöhne in Europa und Beitrittsländern" des Statistischen Amts der Europäischen Union, Eurostat, hier.

Dänemark erhebt neue Umlage bei Auslands-Entsendungen:
Ausländische Arbeitgeber*innen müssen bei Entsendungen künftig einen Beitrag in einen Fonds einzahlen. Dieser kommt für Arbeitnehmer*innen auf, deren Arbeitgeber den Gehaltsforderungen nicht nachkommen. Mehr Informationen finden sich hier.

Seit dem 1. November 2016 dürfen Antragssteller*innen für ein USA-Visum auf dem Foto keine Brille mehr tragen. Weitere Informationen finden sich auf der Website der US-Botschaft hier.

Seit 1985 erhält jedes Jahr mindestens eine europäische Stadt den Titel Kulturhauptstadt Europas. Die Europäischen Kulturhauptstädte 2017 sind Aarhus in Dänemark und Paphos in Zypern.
Weiter Informationen hier.

 
>>> AUSSCHREIBUNGEN


Klubovna Gallery (Brno), Residency zum Thema ‚Migration‘, für in Deutschland lebende Bildende Künstler*innen mit Migrationshintergrund. Bewerbungsfrist: 27. März 2017 - Informationen

Qendra Multimedia, theater company (Kosovo) sucht professionelle Theaterschaffende in unterschiedlichen Bereichen. Bewerbungsfrist: 30. März 2017 - Informationen

Valletta Foundation 2018 - Artist-in-Residence (Air) Programm. Zwei- bis dreiwöchige Residenzen zwischen August 2017 und Dezember 2018 auf Gozo, Maltas Schwesterinsel. Für Kreative aller Bereiche. Bewerbungsfrist: 31. März 2017 - Informationen

InterCultour des Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) und des französischen Partnerverbands „La Fédération Nationale des Compagnies de Théâtre et d’Animation“ (FNCTA). Zweiwöchiger Workshop für junge Menschen aus Frankreich und Deutschland rund um Theater und Poetry Slam, vom 17. bis 31. Juli 2017 in Ottweiler (Saarland) und in Bussang (Frankreich/Vogesen). Bewerbungsfrist: 31. März 2017 - Informationen

Roberto Cimetta Fund und Valletta 2018 - European Capital of Culture, Ausschreibung für Reisekostenzuschüsse. Bewerbungsfrist: 31. März 2017 - Informationen

TURN. Fonds der Kulturstiftung des Bundes für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern, sechste Bewerbungsrunde. Bewerbungsfrist: 31. März 2017 - Informationen

International SOLO DANCE CONTEST 2017, Wettbewerb für kurze Tanzsoli im Rahmen des Gdansk Dance Festivals (Polen) vom 05. bis 09. Juni 2017. Bewerbungsfrist: 31. März 2017 - Informationen

Ateliers for Young Festival and Cultural Managers, für angehende Festival- und Kulturmanager*innen:
In China vom 17. bis 23. Oktober 2017. Bewerbungsfrist: 31. März 2017 - Bewerbungsformular hier, Informationen hier.
In Italien vom 17. bis 23. November 2017. Bewerbungsfrist: 14. April 2017 - Bewerbungsformular hier, Informationen hier.

European Creative Hubs Network Peer-to-peer exchange scheme. Für Mitarbeiter*innen von Creative Hubs. Bewerbungsfrist: 14. April 2017 - Informationen

Çanakkale Art Walk 2017: Homeland. für Bildende Künstler*innen (Einzel- und Gruppenbewerbungen möglich). Bewerbungsfrist: 14. April 2017 - Informationen

Exportförderung Dachverband Tanz Deutschland: Aerowaves Spring Forward Festival in Aarhus Dänemark, 28. bis 30. April 2017. Für Vertreter*innen (Kulturproduzent*innen, künstlerische Leiter*innen) von Tanzensembles der sog. freien Szene mit Betriebssitz in Deutschland. Bewerbungsfrist: 17. April 2017 - Informationen

Malta: Culture in Transformation. Das Interaktive Magazin lädt Wissenschaftler*innen, Kritiker*innen, Kurator*innen und Künstler*innen ein, Texte und Kunstprojekte einzureichen. Bewerbungsfrist: 30. April 2017 - Informationen

exil-DramatikerInnenpreis 2017. Eine Initiative von WIENER WORTSTAETTEN in Kooperation mit exil - zentrum für interkulturelle kunst und antirassismusarbeit. Bewerbungsfrist: 30. April 2017 - Informationen

STEP - Supporting Travel for Engaged Partnership, Reisekostenförderung der European Cultural Foundation. Für Künstler*innen, die innerhalb Europas reisen. Bewerbungen sind jederzeit möglich, müssen jedoch mindestens 60 Tage vor Reiseantritt eingereicht werden. - Informationen

The Auxiliary - Künstler*innenresidenzen in Großbritannien. Zweiwöchige bis dreimonatige Residenzen für Bildende Künstler*innen und Musiker*innen. Bewerbungsfrist: 01. Mai 2017 - Informationen

Bibliothek Andreas Züst: Atelierstipendien in der Schweiz. Für Künstler*innen unterschiedlichster Sparten. Bewerbungsfristen sind jeweils der 31. Mai für den Aufenthalt im darauffolgenden November und der 31. Oktober für Aufenthalt im darauffolgenden April. - Informationen

Das Bureau des arts plastiques unterstützt deutsche Einrichtungen, die Ausstellungen mit französischen oder in Frankreich lebenden Künstler*innen organisieren und die Verbreitung ihrer Arbeiten in Deutschland fördern. Bewerbungen sind jederzeit möglich. - Informationen

Aktuelle Ausschreibungen zur Mobilitätsförderung finden sich auch auf der Website von On the Move. Cultural Mobility Information Network. Der monatlich erscheinende Newsletter ist in fünf Sprachen erhältlich.

>>> VERANSTALTUNGEN, TERMINE UND WEITERE NEWS

Austauschtreffen
Internationales Treffen freischaffender Tanz-Produzent*innen in Budapest
Der Dachverband Tanz Deutschland lädt freischaffende Tanz-Produzent*innen aus Deutschland und Europa zu einem internationalen Austausch- und Expert*innentreffen am 2 und 3. Juni 2017 nach Budapest ein. touring artists wird hier mit einer Info-Session zur internationalen Künstler*innenmobilität vertreten sein. Anmeldungen werden noch bis zum 28. April entgegen genommen: info@dachverband-tanz.de. Weitere Informationen finden sich hier.

Austauschtreffen
Am 5. und 6. April 2017 findet die Mitgliederversammlung von On the Move in Cardiff statt. Im Anschluss stehen Diskussionen mit lokalen Künstler*innen und Kulturakteur*innen zu den Folgen des Brexit auf dem Programm.

Austauschtreffen
Das Frühjahrstreffen von IETM (International network for contemporary performing arts, ehem. „Informal European Theatre Meeting“) findet vom 20. bis 23. April in Bucharest, Rumänien statt. Die zwei Mal im Jahr stattfindende Vollversammlung, die stets von bis zu 600 Akteur*innen besucht wird, bietet Arbeits-, Austausch- und Netwerktreffen sowie ein künstlerisches Programm. Anmeldungsfrist ist der 31. März 2017. Mehr Informationen hier.

Informationsveranstaltung
Artists Training: Refugee Class for Professionals, Qualifizierungsangebot zur Integration geflüchteter Künstler*innen am Berlin Career College.
Nächste Module:
20.-24. März 2017: Performing Arts
24.-28. April 2017: Fine Arts
8.-12. Mai 2017: Film
Weitere Informationen finden sich hier.

Festival und Symposium
Working Together Transnationally. Das dreitätige Symposium (31. März bis 2. April 2017) findet im Rahmen des Festivals TOGETHERAPART statt, das K3 - Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg vom 30. März bis 8. April 2017 in Hamburg ausrichtet. Informationen hier.

Festival
16th Annual Dance Media Film Festival: Vom 20. bis 23. April 2017 in Los Angeles, USA. Das Festival zeigt Tanzfilme der unterschiedlichsten Stilrichtungen. Es stehen verschiedene Förderangebote zur Verfügung. Informationen hier.

Konferenz
Free Movement of Persons in the EU, eine Veranstaltung von ECAS (European Citizen Action Service), findet am 12. April 2017 in Brüssel statt und diskutiert angesichts des 60. Jahrestages der Römischen Verträge Hürden der Freizügigkeit in der EU. Informationen und Anmeldung hier.

Kongress
100th ISPA Congress, die 100. Ausgabe der International Society for the Performing Arts (ISPA) findet vom 23. bis 27. Mai 2017 in Montreal statt und versammelt mehr als 450 Teilnehmer*innen aus 185 Städten rund um den Globus, um sich über aktuelle kulturelle Themen auszutauschen. Informationen hier.

Projekt
Die irakische Konferenz der Vögel ist ein Kooperationsprojekt von Theaterschaffenden aus Europa und dem Orden Mar Musa, der im kurdischen Teil Iraks ein Kloster wiederbelebt hat und zur Anlaufstelle der verschiedensten Bevölkerungsgruppen wurde. Die Produktion wird ab Ende April 2017 in Sulaymaniah erarbeitet und ist die erste Produktion einer längerfristigen Zusammenarbeit unter der Schirmherrschaft von Navid Kermani. Mehr Informationen und - noch bis zum 02. April 2017 - die Möglichkeit das Projekt auf Kickstarter finanziell zu unterstützen finden sich hier.

Sommerakademie
Die internationale Summer Academy of the Arts der Universität der Künste Berlin startet am 16. Juni 2017, bietet Kurse in den Bereichen Bildende Kunst, Gestaltung, Musik, Darstellende Kunst, Kunstmanagement, Kreatives Unternehmertum sowie interdisziplinäre Angebote und erwartet wieder über 300 Teilnehmende aus mehr als 30 Ländern.
Für Teilstipendien können sich junge Künstler*innen noch bis zum 15. April 2017 bewerben. Mehr Informationen hier.

Webinare
TK-Webinar Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer und Entsendung, 21. März 2017. Informationen finden sich hier.
TK-Webinar Die Beschäftigung von freien Mitarbeitern, Honorarkräften, Subunternehmern und auf Werkvertragsbasis, 10. Mai 2017. Informationen finden sich hier.

Mapping
European Cultural Centre Mapping Results. Trans Europe Halles bildet in einem umfangreichen Mapping 770 unabhängige kulturelle Zentren in Europa ab, das Dokument wird stetig erweitert.

Mapping
Analysis of On the Move News Articles 2016 - Visual mapping. Die Auswertung der On the Move Nachrichten aus 2016 bietet eine Bestandsaufnahme zur kulturellen Mobilität in Europa and weltweit. Mehr Informationen hier.

 

TOURING ARTISTS BERATUNGSANGEBOT
Im Rahmen des touring artists Beratungsangebotes sind kostenfreie Einzelberatungen in Berlin oder per Telefon und E-Mail (beratung@touring-artists.info) zu internationalen Projekten und Arbeitsaufenthalten im Ausland möglich. Das Angebot ist eine Kooperation von ITI und IGBK mit SMartDe – Netzwerk für Kreative e.V.

VORSCHAU
Der nächste touring artists Newsletter erscheint im Juni 2017 zum Thema Visa und Aufenthalt. Wir freuen uns über Anregungen, Fragen und Erfahrungen aus der Praxis, gerne per E-Mail an info(at)touring-artists.info.

NEWSLETTER ABBESTELLEN
Falls Sie diesen Newsletter in Zukunft nicht mehr erhalten möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an info@touring-artists.info

 

Kontakt
touring artists Redaktion, E-Mail: info@touring-artists.info

touring artists ist ein Projekt der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) und des Internationalen Theaterinstituts (ITI) Zentrum Deutschland, initiiert und gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK)
Mohrenstr. 63, D – 10117 Berlin, www.igbk.de

Zentrum Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts e.V.
Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, D – 10997 Berlin, www.iti-germany.de

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touring artists Newsletter Dezember 2016

Liebe Künstler*innen und Kolleg*innen,

kurz vor dem Jahreswechsel erhalten Sie den zweiten touring artists Newsletter. Diese Ausgabe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Informationen zur Sozialversicherung international mobiler Künstler*innen.
Darüber hinaus informieren wir wieder über Neuigkeiten rund um die internationale Mobilität sowie über aktuelle Ausschreibungen, Gesetzesänderungen und Veranstaltungen.

Im Überblick:

Unseren Newsletter finden Sie auch unter folgenden Links: Newsletter Dezember 2016 (deutsch), Newsletter December 2016 (englisch).

Wir wünschen unseren Leser*innen schöne Feiertage und einen frohen Jahreswechsel!
Die touring artists Redaktion



SCHWERPUNKT


>>> 3 FRAGEN AN

Jens Van Lathem, Kunstenloket (Belgien)
Anaïs Lukacs, MobiCulture (Frankreich)

Was müssen belgische bzw. französische Künstler*innen, die temporär in Deutschland arbeiten, hinsichtlich der Sozialversicherung beachten und ggf. im Vorfeld regeln?

Jens Van Lathem: Ein*e in Belgien ansässige Künstler*in muss zunächst herausfinden, welches Sozialversicherungssystem hinsichtlich ihrer bzw. seiner Arbeit angewendet wird und in das eingezahlt werden muss. Dies ist von verschiedenen Faktoren abhängig: ob man freischaffend Tätige*r oder Angestellte*r ist, in mehr als zwei EU-Ländern arbeitet oder nicht, … . Gibt es eine*n Arbeitgeber*in muss diese*r über das anzuwendende Sozialrecht des Landes informiert werden, in das die*der Angestellte entsendet wird, so dass die Beiträge korrekt gezahlt werden können. Bleibt die*der Künstler*in in Belgien sozialversichert, braucht sie bzw. er ein A1-Formular, welches dieses bestätigt.

Anaïs Lukacs: Einer*n in Frankreich ansässige*n darstellenden Künstler*in würde ich raten, sich entsprechend der Vertragsart, die der Deutsche Partner vorschlägt, um Informationen zu bemühen. Im Falle eines Arbeitsvertrags (mit Vergütung über eine Gehaltsabrechnung) hat die*der Künstler*in die Möglichkeit, sich die Arbeitsstunden, die sie bzw. er in Deutschland geleistet hat, auf die Berechnung des Arbeitslosengeldes anrechnen zu lassen - als sog. ‚intermittent du spectacle‘, vorausgesetzt sie bzw. er profitiert von diesem besonderen Künstlerstatus in Frankreich. In diesem Fall müsste sie bzw. er den deutschen Arbeitgeber darum bitten, das U1-Formular auszufüllen, welches dann der französischen Arbeitsagentur pôle emploi vorgelegt wird. Hilfreich ist es, dieses Formular dem deutschen Unternehmen vorab zukommen zu lassen, um den Ablauf zu vereinfachen. Handelt es sich nicht um einen Arbeitsvertrag, sondern bspw. um einen Honorarvertrag, können die Arbeitsstunden, die im Ausland geleistet wurden, in der Berechnung des Arbeitslosengeldes nicht berücksichtigt werden. Daher ist es für die*den Künstler*in wichtig, vorab klarzustellen, welche Art Vertrag das deutsche Unternehmen anbietet.
Und ganz praktisch: Es kann sehr nützlich sein, wenn die*der Künstler* sich die
Europäische Krankenversicherungskarte besorgt, bevor sie bzw. er sich auf den Weg macht. Dadurch werden mögliche Vorauszahlungen vermieden, sollten Kosten für Gesundheitsleistungen in Deutschland anfallen.

Welche Schwierigkeiten treten aus Ihrer Erfahrung dabei häufig auf?

Van Lathem: Es gibt eine Wissenslücke hinsichtlich der Verwaltungs- und Regulierungsverfahren, die bei international mobilen Künstler*innen zu berücksichtigen sind. Wann benötige ich ein U1-Formular? Wann benötige ich ein A1-Formular? Was bedeutet Entsendung? Diese Defizite finden sich bei Künstler*innen wie auch bei Arbeitgeber*innen.

Lukacs: Aufgrund mangelnder oder fehlender Informationen können Missverständnisse zwischen Künstler*innen und deutschen Kulturorganisationen auftauchen oder bspw. auch Schwierigkeiten entstehen, das U1-Formular für den deutschen Auftraggeber zu bekommen etc.

Was könnte hinsichtlich der Bereitstellung von Informationen oder der Beratung zu Sozialversicherungsfragen verbessert werden? Was wäre wünschenswert bspw. in der Zusammenarbeit mit Sozialversicherungsträgern oder auch mit Künstler*innenverbänden?

Van Lathem: Die sogenannten Mobility Info Points sollten enger zusammenarbeiten. Der Austausch von Informationen zu nationalen Verfahren und informellen Kontakten könnte Künstler*innen helfen, die Regeln zu verstehen und schneller an die notwendigen Dokumente zu kommen.

Lukacs: Es braucht mehr verständliche und klare Vorabinformationen - sowohl für die Künstler*innen als auch für die Kulturorganisationen, die mit ihnen arbeiten.

Jens Van Lathem hat sich bereits während seines Jurastudiums an der Universität Gent im Kulturbereich engagiert. In seiner Funktion als Chefredakteur eines Musikkritik-Blogs hat er mit mehr als dreißig Freiwilligen zusammen gearbeitet und Konzerte organisiert, um jungen Musiker*innen Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen. Nach einem Aufenthalt als Kommunikationsdirektor bei einem von Belgiens Sommerfestivals ist er zurzeit für Kunstenloket tätig, wo er Rechtsberatungen für aufstrebende und bereits etablierte Künstler*innen anbietet.

Anaïs Lukacs war zunächst mit der Logistik von Performances befasst, an denen Künstler*innen aus der ganzen Welt beteiligt waren. Anschließend entwicklete sie - im Rahmen der Cité internationale universitaire de Paris - das BAAPE (Zentrum für internationale kulturelle Mobilität) und verfolgt
dessen Aufgabe seit 2015 mit
MobiCulture weiter. Die Organisation hat sie ins Leben gerufen, um ausländische, nach Frankreich kommenden Künstler*innen zu beraten sowie auch Veranstalter*innen und Organisationen, die ausländische Künstler*innen einladen.


>>> IGBK-WORKSHOP: SOCIAL SECURITY AND MOBILITY OF VISUAL ARTISTS IN EUROPE


Die Sozialgesetzgebung ist einer der Bereiche, in denen innerhalb der EU nach wie vor nationale Rechtsvorschriften maßgebend sind. Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung etc. werden nicht harmonisiert, sondern lediglich durch EU-Verordnungen koordiniert.
Was dies konkret für in verschiedenen EU-Ländern temporär tätige Künstler*innen bedeutet und welche Instrumente und Verfahren zu beachten sind, wird auf
touring artists und auch anderen Informationsportalen detailliert beschrieben.

In Kooperation mit der International Association of Art (IAA) Europe lud die IGBK am 4. November 2016 Vertreter*innen europäischer Künstlerverbände, von Informationsstellen, Sozialversicherungseinrichtungen sowie weitere Expert*innen zu dem Workshop in Berlin ein. Anliegen war es, folgende Fragen in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen:
Welchen Hürden stehen Künstler*innen, die in Europa länderübergreifend arbeiten, nach wie vor gegenüber? Und inwieweit haben sich die Informationsangebote für freiberuflich tätige Künstler*innen in den letzten Jahren verbessert?

Die einführenden Beiträge der Sozialversicherungsexpertin Carroll Haak sowie von Carla Osman (Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission) und Marie Le Sourd (On The Move) machten deutlich, dass der Dialog zwischen den europäischen Kulturakteur*innen und der EU-Kommission zu Mobilitätsfragen in den letzten Jahren auf vielen Ebenen zu einer Sensibilisierung gegenüber dem Thema und vielfach auch zu einer Vereinfachung der Verwaltungsabläufe geführt hat. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die wachsende Zahl maßgeschneiderter und zunehmend vernetzter Informationsangebote für international tätige Künstler*innen. Einige von ihnen wurden auf dem Workshop präsentiert.

In den letzten Jahren durchgeführte Erhebungen und Studien zu den Hürden im Bereich der Koordinierung der Sozialversicherung sammeln vor allem Beispiele aus dem Bereich der Darstellenden Künste. Der Sektor Bildende Kunst scheint hingegen keine besondere Rolle zu spielen: Auf dem Workshop zeigte sich, dass sich viele der Organisationen, die die Interessen der bildenden Künstler*innen in Europa vertreten, bislang nicht oder nur wenig mit den EU-Koordinierungsrichtlinien und deren Instrumenten wie bspw. der sogenannten Selbstentsendung auseinandergesetzt haben. Ob dies auf ein fehlendes Problembewusstsein zurückzuführen ist oder darauf, dass die Instrumente der Koordinierung (europäische Krankenversicherungskarte, A1-Formular etc.) mittlerweile reibungslos funktionieren, blieb schließlich unbeantwortet.

Die über 60 Teilnehmer*innen aus 24 europäischen Ländern tauschten sich außerdem zu den nationalen Sozialversicherungssystemen aus. Nachdem zunächst auf bereits bestehende Sondersysteme für Künstler*innen (u.a. in Österreich, Frankreich und Deutschland) fokussiert wurde, wurden aktuelle Entwicklungen (erfreuliche wie auch weniger erfreuliche) auch aus weiteren Ländern in die Diskussion einbezogen.

Die Ergebnisse des Workshops sowie konkrete Handlungsempfehlungen werden Anfang kommenden Jahres auf der
IGBK-Website veröffentlicht.


>>> NEWS

Künstlersozialabgabe sinkt in 2017 auf 4,8 %
Der Künstlersozialabgabesatz sinkt im Jahr 2017 von 5,2 % auf 4,8 %. Die Künstlersozialabgabe-Verordnung 2017 wurde am 11. August 2016 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Details finden sich
hier.

Neue A1-Formulare
Der Fragebogen zur Entsendung von Mitarbeiter*innen ins Ausland ist erweitert worden und steht für jedes Land auf der
DVKA-Seite zur Verfügung.

A1-Bescheinigungen künftig elektronisch
Im Jahr 2017 wird ein elektronisches Verfahren für die Beantragung von A1-Bescheinigungen im Fall der Entsendung von Arbeitnehmer*innen ins europäische Ausland eingeführt. Die*der Arbeitgeber*in kann den Antrag auf Ausstellung eines A1-Vordrucks maschinell über die bekannten Wege der Datenübermittlung an die zuständige Krankenkasse senden und erhält die Bescheinigung innerhalb von drei Arbeitstagen elektronisch zurück, um sie der*dem Arbeitnehmer*in auszuhändigen.
Das Antragsverfahren soll ab dem 1. Juli 2017 möglich sein, für Unternehmen jedoch erst ab dem 1. Juli 2019 verbindlich werden. Informationen finden sich bspw. auf der Website der
AOK.


>>> TOURING ARTISTS FAVOURITES

OTM Cultural Mobility Info Points: Informationen zur Sozialversicherung
Belgien: Kunstenloket Foreign artists in Belgium, Payments
Frankreich: MobiCulture Social security cover and contributions
Niederlande: Dutch Culture, Mobility Info Point National insurance schemes
Wales: Wales Arts International Insurance

TK-Service Ausland
Der Newsletter Ausland der Techniker Krankenkasse bietet gut und verständlich erläuterte Informationen für Arbeitgeber*innen bei Entsendungen und bei der Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter*innen - zum Thema Sozialversicherung und darüber hinaus. Hilfreiche Tipps, aktuelle Gesetzesänderungen und Hinweise zu internationalen Ereignissen machen den Newsletter sehr lesenswert, wenn man viel im Ausland tätig ist. Der Newsletter kann
hier bestellt werden.


AUSSERDEM


>>> AKTUELLE GESETZESÄNDERUNGEN


Künstlersozialabgabe
Der Künstlersozialabgabesatz sinkt im Jahr 2017 von 5,2 % auf 4,8 %.

Bundesreisekostengesetz
Ab dem 1. Januar 2017 gelten die neuen Sätze für Tage- und Übernachtungsgelder bei Reisen ins bzw. im Ausland. Sie sind der aktuellen Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über die Neufestsetzung der Auslandstage- und Auslandsübernachtungsgelder (ARVVwV) zu entnehmen: ARVVwV.
Anwendung finden sie im Rahmen des Bundesreisekostengesetzes (BRKG) und müssen bei der Abrechnung von durch die BRD geförderte Projekte beachtet werden.
Mehr Informationen zum BRKG finden sich auf touring artists hier.

Neue Pauschbeträge für berufliche Auslandsreisen
Ab dem 1. Januar 2017 gelten neue Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen und Übernachtungskosten für berufliche Reisen im und ins Ausland. Mittels dieser Pauschbeträge können Reisekosten steuerlich geltend gemacht werden. Die neuen Pauschbeträge finden Sie in Kürze u.a. hier.
Mehr Informationen zu Reisekosten und zur steuerlichen Absetzbarkeit finden sich auf touring artists hier.

Gesetzlicher Mindestlohn
Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 € auf 8,84 € zum 1. Januar 2017. Weitere Informationen finden sich hier.

Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Japan in Kraft
Mit dem Inkrafttreten des DBA am 26. Oktober 2016 gelten die neuen Regeln zur Doppelbesteuerung zwischen den Ländern Deutschland und Japan. Der Gesetzestext findet sich hier.

Reformationstag
Anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation ist der 31. Oktober 2017 einmalig ein bundesweiter Feiertag. Die Bundesregierung informiert dazu hier.


>>> TOURING ARTISTS NEWS


On the Move: Treffen der Mobility Info Points in Berlin
Am 2. und 3. November 2016 hat die touring artists Redaktion an einem Treffen der On the Move Mobility Info Points in Berlin teilgenommen. In den Räumen des ITI kam ein kleiner Kreis von Vertreter*innen europäischer Organisationen zusammen, die (u. a.) Informationen zu rechtlichen und administrativen Aspekten künstlerischer Mobilität zur Verfügung stellen oder auch beratend tätig sind.
Es ging vor allem darum, Erfahrungen in der täglichen Arbeit auszutauschen, um so das Know-how bspw. hinsichtlich der Bereitstellung von Informationen oder der Zusammenarbeit mit Behörden und administrativen Stellen zu erweitern. Ferner wurden erste Ansätze einer gemeinsamen Außenkommunikation entwickelt und die Möglichkeiten gegenseitiger Visitationen diskutiert.
Daneben hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich mit Mitgliedern des European Network of Information Centres for the Performing Arts (ENICPA) auszutauschen und an dem Workshop der IGBK ‚Mobility and Social Security of Visual Artists in Europe‘ (s. o.) teilzunehmen.

Fachtag: Artist Forum - Refugee Class for Professionals
Am 7. Dezember 2016 fand im Rahmen des Projekts ‘Artist Training: Refugee Class for Professionals‘ ein Fachtag in Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung statt, an dem gemeinsam mit Vertreter*innen der Berliner Institutionen aus Kultur- und Kreativwirtschaft sowie der Verbände über Aktivitäten für Künstler*innen mit Fluchthintergrund diskutiert wurde. Eingeladen waren Branchenvertreter*innen aus den Bereichen Musik, Kultur und Medien, Darstellende Kunst, Bildende Kunst und Film sowie aus übergreifenden Institutionen und Projekten.
Auch touring artists war zu Gast und tauschte sich zu bestehenden und möglichen Initiativen und Aktivitäten in diesem Bereich aus. Weitere Informationen finden sich hier.

touring artists zu Gast in Bremen
Am 16. Januar 2017 laden das Künstlerhaus Bremen, der Künstlerinnenverband Bremen und der BBK Bremen zu einem Infoabend zum Informationsportal und zum touring artists Beratungsangebot ein. Beginn ist um 19 Uhr (Künstlerhaus Bremen, Am Deich 68). Weitere Informationen finden sich hier.


>>> AUSSCHREIBUNGEN

Mais Imaginarius, Imaginarius – International Street Theatre Festival of Santa Maria da Feira (Portugal). Für Nachwuchskünstler*innen.
Bewerbungsfrist: 6. Januar 2016 - Informationen

EURODRAM - Übersetzungen von Theaterstücken ins Deutsche, die in dieser Übersetzung noch nicht aufgeführt oder veröffentlicht wurden. Ursprungssprachen können alle anderen europäischen Sprachen bzw. die Sprachen des angrenzenden Mittelmeerraumes und Zentralasiens sein.
Bewerbungsfrist: 10. Januar 2017 - Informationen

BKM: Auslandsstipendien (Deutsche Akademie Villa Massimo in Rom, Casa Baldi in Olevano Romano, Deutsches Studienzentrum in Venedig, Cité Internationale des Arts in Paris). Für bildende Künstler*innen, Architekt*innen und Musiker*innen in Deutschland
Bewerbungsfrist: 15. Januar 2017 über die zuständigen Behörden der Bundesländer - Informationen

2017 International Festival of Ancient Greek Drama. Für Theatergruppen und Performer*innen.
Bewerbungsfrist: 16. Januar 2017 - Informationen

Julie’s Bicycle: Creative Climate Leadership (CCL) Training Course. Erkundung der kulturellen Dimension des Klimawandels. Für Künstler*innen aller Sparten und Kulturschaffende.
Bewerbungsfrist: 16. Januar 2017 - Informationen

Dachverband Tanz Deutschland: Exportförderung für Tanz. Für Vertreter*innen (Kulturproduzent*innen, künstlerische Leiter*innen) von Tanzensembles der sog. freien Szene mit Betriebssitz in Deutschland.
Bewerbungsfrist: 20. Januar 2017 - Informationen

Cultural Innovation International Prize: Climate change. Ausschreibung für kulturelle Projekte, die den Klimawandel ins Bewusstsein rücken.
Bewerbungsfrist: 31. Januar 2017 - Informationen

Institut für Auslandsbeziehungen ifa: Ausstellungsförderung – Ausstellungen im Ausland, Reise- und Transportkostenzuschüsse. Für deutsche oder in Deutschland lebende bildende Künstler*innen.
Bewerbungsfrist: 31. Januar 2017 - Informationen

Deutsch-französisch-polnisches Residenzprogramm George Sand – Frédéric Chopin der Stiftung Genshagen (12. Juni bis 7. August 2017). Für Künstler*innen aller Sparten.
Bewerbungsfrist: 3. Februar 2017 - Informationen

Kunsthaus Kloster Gravenhorst, Projektstipendium ‚KunstKommunikation‘ 2018. Einreichung von Projektvorschlägen von Künstler*innen und Künstler*innengruppen, international.
Bewerbungsfrist: 3. Februar 2017 - Informationen

18. Internationale Übersetzerwerkstatt Mülheim (13. bis 21. Mai 2017). Für Übersetzer*innen deutschsprachiger Dramatik.
Bewerbungsfrist: 10. Februar 2017 - Informationen

International Winter School of Physical Theatre in der Steiermark. Workshop (21. bis 26. Februar 2017) der International University Global Theatre Experience (IUGTE) für Tänzer*innen, Choreograf*innen, Schauspieler*innen und Zirkus-Artist*innen.
Bewerbungsfrist: 10. Februar 2017 - Informationen

Szenenwechsel, Förderprogramm des deutschen ITI-Zentrums und der Robert Bosch Stiftung für internationale Kooperationsprojekte in den Darstellenden Künsten zwischen Partnern aus dem deutschsprachigen Raum und Nordafrika oder Osteuropa.
Bewerbungsfrist: 15. Februar 2017 - Informationen

EFFE 2017-2018: Auszeichnung für Europäische Festivals
Bewerbungsfrist: 17. Februar 2017 - Informationen

Aktuelle Ausschreibungen zur Mobilitätsförderung finden sich auch auf der Website von On the Move. Cultural Mobility Information Network. Der monatlich erscheinende Newsletter ist in fünf Sprachen erhältlich.


>>> VERANSTALTUNGEN, TERMINE UND WEITERE NEWS

Informationsveranstaltung
Artists Training: Refugee Class for Professionals, Qualifizierungsangebot zur Integration geflüchteter Künstler*innen am Berlin Career College.
Nächste Module:
9. bis 13. Januar 2017: Music
27. Februar bis 3. März 2017: Culture and Media
20. bis 24. März 2017: Performing Arts
Weitere Termine finden sich hier.

Konferenz
Beyond the obvious. Europe, quo vadis? Das Treffen von Culture Action Europe zielt darauf ab, über das Offensichtliche hinaus zu blicken. Die Konferenz findet vom 26. bis 28. Januar 2017 in Budapest statt. Informationen finden sich hier.

Webinar
TK-Webinar Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer*innen und Entsendung, 21. März 2017. Informationen finden sich hier.

Konsultation
Öffentliche Konsultation über Regeln für die Einfuhr von Kulturgütern der Europäischen Kommission, Generaldirektion für Steuern und Zollunion (noch bis zum 23. Januar 2017). Zur Online-Konsultation geht es hier.

Tanzfestival
Zeitgenössische Schweizer Tanztage 1. bis 4. Februar 2017: An vier Tagen zeigen 19 Schweizer Kompanien ihre neuesten Werke in 12 Genfer Theatern. Die Schweizer Tanztage richten sich an Fachleute, Veranstalter*innen und Journalist*innen aus der Schweiz und dem Ausland. Eine Akkreditierung ist bis zum 7. Januar 2017 möglich. Informationen hier.

Tanz- und Theaterfestival
Die 12. Edition des Croatian Theatre and Dance Showcase findet vom 20. bis 25. April 2017 in Zagreb und Rijeka statt. Informationen hier.

Datenbank
artistresidencies.pl, die erste Polnische Datenbank für Künstlerresidenzen, ist online. Die Datenbank steht auf Englisch und Polnisch zur Verfügung und enthält mehr als 30 polnische Residenzprogramme sowie Informationen zu Künstler*innen und Events u.a. Zur Datenbank geht es hier.


>>> TOURING ARTISTS BERATUNGSANGEBOT
Im Rahmen des touring artists Beratungsangebotes sind kostenfreie Einzelberatungen in Berlin oder per Telefon und E-Mail (beratung@touring-artists.info) zu internationalen Projekten und Arbeitsaufenthalten im Ausland möglich. Das Angebot ist eine Kooperation von ITI und IGBK mit SMartDe – Netzwerk für Kreative e.V.


>>> VORSCHAU

Der nächste touring artists Newsletter erscheint im April 2017 zum Thema Einkommens- und Umsatzsteuer bei grenzüberschreitenden künstlerischen Tätigkeiten. Wir freuen uns über Anregungen, Fragen und Erfahrungen aus der Praxis, gerne per E-Mail an info@touring-artists.info.


>>> NEWSLETTER ABBONIEREN

Falls Sie diesen Newsletter in Zukunft vierteljährlich erhalten möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an info@touring-artists.info.

Kontakt
touring artists Redaktion, E-Mail: info@touring-artists.info

touring artists ist ein Projekt der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) und des Internationalen Theaterinstituts (ITI) Zentrum Deutschland, initiiert und gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK)
Mohrenstr. 63, D – 10117 Berlin, www.igbk.de

Zentrum Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts e.V.
Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, D – 10997 Berlin, www.iti-germany.de

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touring artists Newsletter September 2016

Liebe Künstler*innen und Kolleg*innen,

Sie erhalten heute den ersten touring artists Newsletter, der von nun an vierteljährlich zu wechselnden Schwerpunktthemen erscheinen wird und darüber hinaus über Neuigkeiten rund um internationale Mobilität und Äktualisierungen auf www.touring-artists.info informiert.

Im Fokus dieser Ausgabe stehen Künstler*innen, die aus ihren Heimatländern geflüchtet und nun neu in Deutschland sind sowie die kulturelle Arbeit von Künstler*innen, die mit den Neuangekommenen in Deutschland arbeiten. Lesen Sie dazu:

Eng verbunden mit dem Fokus dieses Newsletters ist der Bereich Refugees welcome auf www.touring-artists.info. Hier hat touring artists Informationen, Hinweise und Erfahrungen zusammengestellt, die für geflüchtete Künstler*innen in Deutschland Orientierung im Alltag bieten können. Auch finden sich hier Informationen für Kunst- und Kulturschaffende in Deutschland, die mit geflüchteten Menschen arbeiten oder dies in Zukunft tun möchten.

An dieser Stelle wollen wir nicht nur zum Lesen einladen, sondern Sie auch dazu aufrufen, für uns und andere Ihr Engagement sichtbar zu machen: In einer Landkarte sammeln wir Projekte in den Bereichen Bildende Kunst und Darstellende Kunst von, für und mit geflüchtete/n Menschen in Deutschland. Diese soll den involvierten Akteur*innen und anderen Interessierten zum Austausch von Erfahrungen und Know-how dienen. Gerne bilden wir auch Ihr Projekt auf der Karte ab. Füllen Sie hierfür einfach das kurze Formular aus.

Hinweise und Fragen zum Thema interessieren uns generell! Denn um die Informationen aktuell zu halten und möglichst umfassend bereitzustellen, ist Ihre Unterstützung erforderlich. Fragen, Hinweise und Feedback erreichen uns am besten per E-Mail an info@touring-artists.info.

Eine anregende Lektüre wünscht
die touring artists Redaktion

Bitte beachten Sie: Noch haben Sie den touring artists Newsletter nicht abonniert. Wenn Sie diesen in Zukunft vierteljährlich erhalten möchten, bitten wir um eine kurze Nachricht per E-Mail an info@touring-artists.info.

 

SCHWERPUNKT

>>> 3 FRAGEN AN ...

Monis Bukhari, Syrisches Haus

Wie viele syrische Künstler*innen leben schätzungsweise zurzeit in Deutschland?
Seit 2013 suchen syrische Künstler*innen Zuflucht in Deutschland – so wie hunderte und tausende Syrer*innen vor dem Krieg in ihrer Heimat flüchten. Derzeit leben einige tausend syrische Künstler*innen in Deutschland, darunter mehr als 300 professionelle Künstler*innen, von denen die meisten zur syrischen sozialen Elite gehören.

Wie viele dieser Menschen sind in Deutschland künstlerisch aktiv? Bezogen auf die künstlerische Arbeit: Was sind die dringlichsten Fragen?
Es ist schwierig zu sagen, wie viele der professionellen syrischen Künstler*innen auch aktiv arbeiten: Viele von ihnen sind gerade erst angekommen. Selbst diejenigen, die bereits zwei oder drei Jahre in Deutschland leben, stehen noch am Anfang, was das Vernetzen und das Wiederaufbauen ihres Lebens in der neuen Umgebung betrifft – Wurzeln zu schlagen ist nicht so einfach, insbesondere für Künstler*innen. Wir bemerken eine Fülle von Konzerten, Theaterstücken und Kunstausstellungen, die syrische Künstler*innen in verschiedenen Städten in Deutschland präsentieren; zugleich haben die meisten Künstler*innen noch immer Schwierigkeiten mit der neuen Sprache, die sie lernen müssen, aber auch wollen.
Die dringendste Problematik oder Herausforderung, der eine Künstlerin bzw. ein Künstler in einer neuen Umgebung gegenübersteht, ist, ein Netzwerk aufzubauen. Ohne ein enges Netz an Verbindungen kann keine Künstlerin und kein Künstler richtig existieren.

Was ist Ihrer Meinung nach ein positives Beispiel für eine gute Zusammenarbeit zwischen deutschen und syrischen Künstler*innen? Was ist daran bemerkenswert? Und was wäre in der Zusammenarbeit zwischen deutschen und syrischen Künstler*innen für die Zukunft wünschenswert?
Ein gutes Beispiel für eine Kooperation zwischen deutschen und syrischen Künstler*innen ist das Syrian Expat Philharmonic Orchestra: Verschiedene deutsche Institutionen, Vereine und Künstler*innen unterstützen das Zusammenkommen der Musiker*innen des ehemaligen Syrischen Philharmonischen Orchesters sowie anderer syrischer Musiker*innen, von denen die meisten nun in Deutschland bzw. in Europa leben. Sie proben gemeinsam und geben Konzerte in verschiedenen deutschen Städten. Wir brauchen mehr solcher Projekte, in denen deutsche Künstler*innen und die deutsche Kunstszene syrischen Künstler*innen, die heute in Deutschland leben, begegnen, um langfristig fruchtbare Beziehungen aufzubauen.
In der Theaterwelt können die besten Bedingungen für produktive Kooperationen geschaffen werden. Man stelle sich ein Festival vor, bei dem sich beide „Seiten“ vorstellen und in der Folge deutsche und syrische Künstler*innen gemeinsam Theaterstücke erarbeiten.

Monis Bukhari wurde 1978 in Damaskus, Syrien, geboren und lebt heute in Berlin. Er ist bildender Künstler, Journalist und Blogger. Er ist außerdem Gründer und Direktor des Syrischen Hauses, dessen Ziel es ist, die syrische Community im Ausland zu vernetzen und den Austausch von Informationen und Wissen zu unterstützen. Dies geschieht vor allem über Facebook: Mehr als 150 000 Mitglieder tauschen sich zurzeit in regionalen Gruppen und Themengruppen zu Alltagsfragen und zum Leben in Deutschland aus. Bukhari berät darüber hinaus den WDR und andere Mediendienste zu Programmen für geflüchtete Menschen.

Interview mit Monis Bukhari: “Teach Syrians how to live here, to communicate, how to exchange information and knowledge”, Global Media Journal, Vol. 6, No. 1, Spring/Summer 2016

>>> WORKSHOP DES ITI UND DER IGBK IN KOOPERATION MIT DEM SYRISCHEN HAUS | 14. SEPTEMBER 2016 IN BERLIN

Am 14. September 2016 luden das ITI und die IGBK gemeinsam mit dem Syrischen Haus zu einem Workshop in die Mediathek des Mime Centrum Berlin im Kunstquartier Bethanien ein. Knapp zwei Dutzend in Deutschland lebende syrische Künstler*innen waren zu Gast, ebenso wie Vertreter*innen einiger Kulturinstitutionen. Die Idee der Veranstaltung war es, über die verschiedenen Informations- und Beratungsangebote der Kulturakteure zu informieren, die für syrische Künstler*innen von Interesse sind, die sich vorübergehend in Deutschland aufhalten oder sich hier dauerhaft niederlassen möchten. Gleichzeitig war es ein Anliegen, mehr über die Fragen und Schwierigkeiten der Künstler*innen zu erfahren, mit denen sie hinsichtlich ihrer künstlerischen Arbeit in Deutschland täglich konfrontiert sind.

ITI und IGBK gaben zum Einstieg einen Überblick über die Strukturen und wichtigen Akteure der Bereiche Darstellende und Bildende Kunst in Deutschland und stellten das Informationsportal touring artists und dessen durch SMartDe – Netzwerk für Kreative e.V. durchgeführtes Beratungsangebot vor. Von großem Interesse war für die überwiegend darstellenden Künstler*innen auch die Arbeit des BFDK – Bundesverband Freie Darstellende Künste und des PAP – Performing Arts Programm Berlin. So bietet das PAP u. a. ein umfassendes Beratungsprogramm, eine Proberaumplattform, verschiedene Mentoringprogramme oder auch Theaterscoutings an.

Die Künstler*innen berichteten ihrerseits von der hohen Anzahl syrischer Künstler*innen und Intellektueller, die gegenwärtig in Deutschland ansässig sind. Allein etwa 85 Theatermacher*innen sind zurzeit in Deutschland, der Großteil davon in Berlin. Eine große Schwierigkeit besteht darin, sich mit den einheimischen Akteur*innen zu vernetzen, wenn es bspw. darum geht, für die eigene Theater- oder Tanzproduktion einen Aufführungsort zu finden.
Ebenso drängend zeigt sich das Problem der fehlenden Übersetzung: Syrische Dramatiker*innen – klassische wie zeitgenössische – werden kaum übersetzt; adäquates Ausdrucksmittel kann jedoch nur die eigene Sprache sein. Auch arbeiten in Deutschland längst nicht alle Theater und Bühnen mit Untertiteln in englischer Sprache, was wiederum den Zugang zu den deutschen Produktionen erschwert.
Ferner wurde das Fehlen internationaler Ausbildungsmöglichkeiten im Theater diskutiert. Den wenigen bestehenden Angeboten mangelt es oft an Qualität, was insbesondere für Künstler*innen nachteilig ist, die ihre Ausbildung in Syrien nicht abschließen konnten.
Es bestand Konsens darüber, dass die drei Themenkomplexe – Netzwerke, Übersetzungen und Aus- bzw. Weiterbildungsmöglichkeiten – in Folgeworkshops vertiefend diskutiert werden sollten. Darüber hinaus entstand die Idee, eine Datenbank syrischer Künstler*innen in Deutschland aufzubauen. ITI, IGBK und das Syrische Haus werden – auch mit Unterstützung von BFDK und PAP – den begonnenen Dialog fortsetzen.

>>> TOURING ARTISTS FAVOURITES

Uraufführung: Drama von Mudar Al Haggi | 4. bis 9. Oktober 2016 in verschiedenen Städten im Ruhrgebiet
عندما تبكي فرح | When Farah cries | Wenn Farah weint erzählt die Geschichte einer jungen Frau in Syrien. Ihre Emanzipation von familiären, gesellschaftlichen, patriarchalen Zwängen erfolgt vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Befreiungsversuchs: Das Stück spielt etwa ein Jahr nach Beginn der syrischen Revolution – noch besteht Hoffnung. Die Aufführung mit Schauspieler*innen aus Syrien, dem Irak und Deutschland, die am 24. September 2016 in Berlin uraufgeführt wurde, erfolgt in drei Sprachen: arabisch, englisch, deutsch.
Weitere Informationen und genaue Daten finden Sie hier.

Veranstaltung: Landschaften der Hoffnung | 1. bis 3. Oktober 2016 im RADIALSYSTEM V in Berlin
Action for Hope, eine NGO, die kulturelle Hilfs- und Entwicklungsprogramme für Geflüchtete fördert, präsentiert gemeinsam mit Ettijahat-Independent Culture aus dem Libanon drei Tage lang ein Kulturprogramm, das Deutsche mit aus Syrien geflüchteten und anderen in der Diaspora lebenden Menschen zusammenbringt. Neben Live-Musik, Ausstellungen und einer Koch-Show bietet die Veranstaltung vor allem Raum für Diskussionen und persönliche Gespräche zwischen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und lebensgeschichtlichen Hintergründen.
Hier geht es direkt zum Programm. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Radialsystem V.

Veranstaltung: Welcome Artists #2 | 10. Oktober 2016 im Kulturzentrum Pavillon in Hannover
Was müssen Kulturinstitutionen und Förderer tun, um Neuankommenden den Einstieg in den deutschen Kulturbetrieb zu erleichtern? Und was müssen internationale Künstler*innen ganz praktisch wissen, damit sie in Deutschland gut arbeiten können? Das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover lädt Kulturschaffende, Geflüchtete, Kulturförderer und Vertreter*innen von Unterstützerkreisen dazu ein, diese und weitere Fragen kritisch zu diskutieren. Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Kulturzentrum Pavillon, dem Cameo Kollectiv und umbaja e.V.
touring artists und SMartDe – Netzwerk für Kreative e.V. moderieren hier das Tischgespräch „Das Informationsportal touring artists – über Fragen rund um grenzüberschreitendes Arbeiten, Künstler*innenaustausch und internationale Kooperationen.“
Weitere Informationen, auch zur Anmeldung, finden Sie hier.

Veranstaltung: Goethe-Institut Damaskus. Im Exil | 20. Oktober bis 5. November 2016 in Berlin
Das Goethe-Institut Damaskus, eröffnet im Jahr 1955, war eines der ersten Institute weltweit. Aufgrund der Sicherheitslage ist es seit 2012 geschlossen. Viele Menschen mussten das Land verlassen und befinden sich nun in Europa im Exil. Um ein Zeichen zu setzen, wird das Goethe-Institut in Berlin einen symbolischen Ort der kulturellen Begegnung schaffen – mit Diskussionen, Workshops, Filmreihen, Installationen, Ausstellungen, Konzerten und Performances.
Weitere Informationen und das Programm finden Sie in Kürze hier.

Reportage: Geflüchtet und angekommen? Eine Reportage von Stilbruch im rbb Fernsehen
Wie leben und arbeiten geflüchtete Künstler*innen in Berlin? Moderator Jaafar Abdul Karim trifft sich mit Kreativen, die aus Syrien geflohen sind und jetzt in Berlin leben.
Die Reportage vom 15. September 2016 steht bis zum 15. September 2017 in der Mediathek zur Verfügung.

Initiative: Refugee Class for Professionals in Arts, Media and Design
Seit Februar 2016 bietet das Berlin Career College der Universität der Künste mit der Refugee Class kostenlose Weiterbildungen und Vernetzungsmöglichkeiten für geflüchtete Künstler*innen, Medienschaffende und Kreative an.

Initiative: HAJUSOM
In dem Verein HAJUSOM kommen in Hamburg junge Menschen zusammen, um gemeinsam mit internationalen Künstler*innen zu arbeiten. Es entstehen Theater-Performances, Hörstücke und Songs, literarische Texte und interaktive Kunst-Aktionen, teilweise auch im öffentlichen Raum.

Ausschreibung: Akademie der ZUsammenKUNFT | Deadline: 3. Oktober 2016
Die Akademie der ZUsammenKUNFT ist eine Plattform zum Austausch von künstlerischen Praxen und anderen Wissensformen. Sie ist Teil der Aktivitäten der Initiative Haus der Statistik in Berlin. Der Akademiefonds finanziert die Konzeption und Durchführung von künstlerischen Aktionen, Seminaren, Vorträgen, Spaziergängen und Werkstätten zu den Themen Migrationsgesellschaft, Stadtentwicklung, integratives Wohnen, (selbstorganisierte/institutionelle) Bildung und Kunst.
Die zweite Ausschreibung der Akademie der ZUsammenKUNFT hat begonnen, Bewerbungsschluss ist der 3. Oktober 2016. Weitere Informationen finden Sie hier.

Förderung: kulturelle Projekte für geflüchtete junge Frauen
Unter dem Titel „Frauen iD“ fördert das Paritätische Bildungswerk Bündnisse für Bildung, die kulturelle Projekte für geflüchtete Frauen zwischen 18 und 26 Jahren durchführen. Es handelt sich um eine 100%ige Förderung, die im Auftrag des Bundesbildungsministeriums im Programm „Kultur macht stark“ vergeben wird. Gefördert werden Kulturangebote aus allen Sparten wie Theater, Musik, Tanz, Malerei und angewandte Kunst. Ziel ist es, das Selbstwertgefühl und die Selbstlernkompetenzen der geflüchteten Frauen „in Deutschland“ („iD“) durch kulturelle Bildungsangebote zu fördern. Die beantragte Projektmaßnahme muss bis Oktober 2017 abgeschlossen sein. Bewerbungen sind laufend möglich. Weitere Informationen finden Sie hier.

Förderung: Robert Bosch Stiftung
Die Robert Bosch Stiftung fördert im Rahmen des Programms Miteinander, füreinander! Begegnungen mit Flüchtlingen gestalten Praxisprojekte, die Begegnungen auf Augenhöhe zwischen Geflüchteten und der lokalen Bevölkerung initiieren. Bewerbungen sind laufend möglich.

Förderung: Fonds Darstellende Künste
Der Fonds Darstellende Künste fördert im Programm HOMEBASE – Theater für die kommende Gesellschaft gezielt Projekte im Bereich der Darstellenden Künste, die einen dialogorientierten und interkulturellen Ansatz verfolgen. Die Kooperation mit Geflüchteten und Asylsuchenden, mit Bürger*innen mit Migrationshintergrund oder mit Künstler*innen aus den Fluchtländern muss im Zentrum des Vorhabens stehen. Die zweite Bewerbungsrunde ist gerade beendet worden.

Weiterbildung: Körperarbeit mit Geflüchteten und Migrant*innen in Berlin
Das Weiterbildungsangebot bei SENECA INTENSIV „Körperarbeit mit Geflüchteten und Migrant*innen“ richtet sich an Menschen, die mit Geflüchteten und/oder Migrant*innen über den Körper künstlerisch arbeiten möchten, z. B. Sozialpädagog*innen, Pädagog*innen für politische (Jugend-)Bildung, Kunstpädagog*innen (Theater, Musik, Tanz), Tänzer*innen oder Lehrer*innen.
Informationen, auch zur Anmeldung, finden Sie hier.

Reading: A Syrious Look
A Syrious Look ist ein Zeitschriftenprojekt, das syrische Autor*innen und Künstler*innen porträtiert, die vor Kurzem nach Deutschland gekommen sind. Die erste Ausgabe soll noch im Herbst 2016 erscheinen.

 

AUSSERDEM

>>> AUSSCHREIBUNGEN

Künstlerresidenz im Taipei Artist Village 2017 (Bewerbungsschluss: 30. September 2016 – für Künstler*innen aus München)

PSi#23 “OverFlow” – Call for Papers für die Performance Studies international Annual Conference Hamburg 2017 (Bewerbungsschluss: September 30, 2016)

Internationaler Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts (Bewerbungsschluss: 30. Oktober 2016)

Künstlerhaus Lauenburg Stipendien 2017 (Bewerbungsschluss: 31. Oktober 2016)

Gastspielförderung Tanzfonds Erbe (Bewerbungsschluss: 31. Oktober 2016)

35. Internationale Fadjr Theater Festival 2017 in Teheran (Bewerbungsschluss: 22. November 2016)

Akademie Schloss Solitude, Aufenthaltsstipendien 2017-2019 (Bewerbungsschluss: 30. November 2016)

Perspektive – deutsch-französischer Fonds für zeitgenössische Kunst und Architektur (Projektausschreibung 2017 startet am 1. Oktober 2016, Bewerbungsschluss: 1. Dezember 2016

Aktuelle Ausschreibungen zur Mobilitätsförderung finden sich auch auf der Website von On the Move. Cultural Mobility Information Network. Der monatlich erscheinende Newsletter ist in fünf Sprachen erhältlich.

>>> VERANSTALTUNGEN

Symposium: CHANGE OF SCENE. REFRAMING COOPERATION | 12 bis 14. Oktober in Berlin
Das zweite Szenenwechsel Symposium, veranstaltet vom Internationalen Theaterinstitut und der Robert Bosch Stiftung, befragt internationale Kooperationen: Wie sehen sie in der Praxis aus? Wie werden die gemeinsamen Projekte entwickelt und unter welchen Bedingungen? In einem vielseitigen Programm für und mit Szenenwechsel-Kooperationspartner*innen und internationalen Theatermacher*innen gibt es Gelegenheit zur Vorstellung der künstlerischen Arbeiten und zum Erfahrungsaustausch. Hier geht es zum Programm.
Anmeldungen sind noch möglich! Bitte per Mail an: szenenwechsel@iti-germany.de

>>> TOURING ARTISTS BERATUNGSANGEBOT
Im Rahmen des touring artists Beratungsangebotes sind kostenfreie Einzelberatungen in Berlin oder per Telefon und E-Mail (beratung@touring-artists.info) zu internationalen Projekten und Arbeitsaufenthalten im Ausland möglich. Das Angebot ist eine Kooperation von ITI und IGBK mit SMartDe – Netzwerk für Kreative e.V.

>>> VORSCHAU
Der nächste touring artists Newsletter erscheint im Dezember 2016 zum Themenschwerpunkt Mobilität und Sozialversicherung. Wir freuen uns über Anregungen, Fragen und Erfahrungen aus der Praxis, gerne per E-Mail an info@touring-artists.info

 

Kontakt
touring artists Redaktion, E-Mail: info@touring-artists.info

touring artists ist ein Projekt der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) und des Internationalen Theaterinstituts (ITI) Zentrum Deutschland, initiiert und gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK)
Mohrenstr. 63, D – 10117 Berlin, www.igbk.de

Zentrum Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts e.V.
Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, D – 10997 Berlin, www.iti-germany.de

 

 

 

 

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