Praktikant*innen und Volontär*innen

Praktikant*in ist (unabhängig von der Bezeichnung im Vertrag!), wer für eine begrenzte Dauer zum Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen eine betriebliche Tätigkeit aufnimmt, ohne dabei eine Berufsausbildung zu absolvieren – wenn bspw. eine Malerin ein Praktikum an einer Kunstschule macht oder eine angehende Dramaturgin in der Dramaturgie eines Theaters. Bei einem Praktikum steht demnach die Gewinnung beruflicher Fertigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen im Vordergrund, nicht die Erbringung einer Arbeitsleistung.

Man unterscheidet freiwillige Praktika von Pflichtpraktika. Pflichtpraktika werden zum Beispiel von Hochschulen als Teil des Studiums vorgeschrieben. Sie begründen in der Regel kein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis. Wird jedoch ein freiwilliges Praktikum geleistet, wird mit der Firma ein Praktikumsvertrag geschlossen, der in weiten Teilen dem Berufsausbildungsgesetz entsprechen muss. Dadurch werden bspw. Regelungen bezüglich des Kündigungsschutzes getroffen. Auch wird sichergestellt, dass die*der noch lernende Praktikant*in auch ohne Berufserfahrung angemessen vergütet wird.
Praktikant*innen wurden explizit in den Anwendungsbereich des Mindestlohngesetzes aufgenommen (s. die Informationen zum Mindestlohn bei Arbeitnehmer*innen). Freiwillige Praktika müssen demzufolge – jedenfalls nach einer Beschäftigung von mehr als drei Monaten – mit dem Mindestlohn vergütet werden. Pflichtpraktika oder Orientierungspraktika sind von dieser Regel ausgenommen.

Was müssen Arbeitgeber*innen in Deutschland beachten, wenn sie mit Praktikant*innen aus dem Ausland zusammenarbeiten? Hinsichtlich der Fragen zum Aufenthalt, zum Arbeitsrecht und zur Sozialversicherung ist entscheidend, welchem Zweck das Praktikum dient. Natürlich spielt es auch eine Rolle, ob die*der Praktikant*in aus dem EU-Ausland kommt oder aus einem anderen Land außerhalb der EU.

Einen guten Überblick hat die Techniker Krankenkasse im Newsletter Ausland Juni 2015 zusammengestellt. Darin finden sich Informationen zur 120-Tage-Regel, zur Zustimmung durch die ZAV, zum Mindestlohn etc.

Der Begriff Volontär*in ist dem Französischen entlehnt: volontaire bedeutet Freiwillige*r. Darunter ist eine freiwillige, zeitlich begrenzte Tätigkeit in einer Institution gemeint, die einer, im Gegensatz zur Lehre, gesetzlich nicht genau geregelten Ausbildung dient. Volontariate gibt es vor allem in der öffentlichen Verwaltung, im karitativen oder kulturellen Bereich – bspw. im Kunsthandel oder im Museumswesen.
In der Medienbranche bezeichnen Volontariate die journalistische Grundausbildung in Print, Hörfunk, PR und Online-Medien. Ohne ein Volontariat werden journalistische Stellen in der Regel nicht vergeben. Die Ausgestaltung eines Volontariates ist in diesem Bereich – und nur hier! – tarifvertraglich geregelt. Ein Redaktionsvolontariat dauert zwischen 15 und 24 Monaten. Es gibt feste Gehaltsvorgaben, wobei die Vergütung in der Regel höher ist als eine Praktikumsvergütung.

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