Entsendung aus Deutschland

Wenn bspw. ein Arbeitnehmer mit festem Wohnsitz in Deutschland auf Weisung seines Arbeitgebers eine zeitlich begrenzte Beschäftigung im europäischen Ausland aufnimmt, liegt eine Arbeitnehmerentsendung vor. Ein selbständiger Künstler kann sich bei vorübergehender Ausübung seiner Tätigkeit in einem anderen Staat selbst entsenden (Selbstentsendung). Das Prinzip der Entsendung gilt für Tätigkeiten im EU-Ausland bis zu 24 Monate.

Beispiel: 
Ein freischaffender Fotograf geht für fünf Monate nach Belgien, um dort für eine Fotoserie zu recherchieren und zu fotografieren. Er ist über die KSK versichert. Was muss er tun, damit er für den zeitlich begrenzten Aufenthalt im Falle von Krankheit abgesichert ist und ggf. in Belgien behandelt werden kann? 

Ist der Künstler – wie in diesem Beispiel – über die KSK krankenversichert, bleibt diese Versicherungspflicht während seines Arbeitsaufenthaltes für die Dauer der Entsendung erhalten. Er sollte vor Beginn seines Arbeitsaufenthalts in Belgien die Bescheinigung A1 beantragen. Diese gilt als Nachweis über die bestehende Sozialversicherungspflicht in Deutschland. Gegenüber den belgischen Stellen gilt sie als Beleg, dass für diese Person ausschließlich die deutschen Rechtsvorschriften gelten. Die zuständigen Kontrollbehörden oder auch Veranstalter und Arbeitgeber können einen solchen Nachweis verlangen. 

Darüber hinaus sollte der Künstler über die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) verfügen, die von den gesetzlichen Krankenkassen ausgestellt wird. Mit einer EHIC kann er eine ärztliche Behandlung und Sachleistungen bei Krankheit in Belgien in Anspruch nehmen, die dann seiner Krankenkasse in Deutschland in Rechnung gestellt werden.
Informationen zu den Ländern, in denen die EHIC genutzt werden kann, zu Vertragsärzten und -krankenhäusern sowie zum Vorgehen bei Behandlungen im Ausland bietet bspw. die Techniker Krankenkasse hier

Die DVKA (Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland) stellt Merkblätter zu einzelnen Ländern zur Verfügung, zum Beispiel das Entsendemerkblatt Belgien.

Eine Liste der Entsendemerkblätter findet sich hier.  


Verfahren zur Beantragung von A1-Formularen

Auf den Seiten der DVKA wählt man das entsprechende Merkblatt aus – je nach Land, in dem die Tätigkeit ausgeübt werden soll. Die Bescheinigung A1 kann selbständig oder in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sozialversicherungsträger (bspw. der Krankenkasse) ausgefüllt werden und soll anschließend über die zuständige Einzugsstelle (in der Regel die zuständige Krankenkasse) zur Bearbeitung weitergeleitet werden. Am besten ist, sich frühzeitig bei der Krankenkasse über die Dauer der Bearbeitungszeit zu informieren. Den ausgefüllten Antrag kann man an folgende Stellen senden:

  • an die gesetzliche Krankenkasse, bei der die Person versichert ist. Dies gilt unabhängig davon, ob bei dieser Krankenkasse eine Pflicht-, freiwillige oder Familienversicherung besteht.
  • wenn die Person nicht gesetzlich krankenversichert ist, an den Träger der gesetzlichen Rentenversicherung (DRV BundDRV Knappschaft-Bahn-See oder den zuständigen Regionalträger der DRV). 

Wichtig für in Deutschland ansässige Kompanien und Künstlerkollektive

Kompanien und Künstlerkollektive, die mit fest angestellten Künstlerinnen und Künstlern innerhalb Europas auf Tour gehen, müssen dafür sorgen, dass für jede einzelne Künstlerin und jeden einzelnen Künstler eine Bescheinigung A1 beantragt und dem ausländischen Veranstalter vorgelegt wird. 

Bei sehr kurzen Entsendezeiträumen bis zu einer Woche und bei sehr kurzfristig anberaumten beruflichen Reisen geht es auch einfacher: Es kann zunächst auf die Bescheinigung A1 verzichtet werden. Denn grundsätzlich sieht das europäische Recht vor, dass die Bescheinigung auch noch nachträglich beigebracht werden kann. 
Jedoch liegt die Notwendigkeit einer solchen Bescheinigung letztlich im Ermessen des einzelnen Nationalstaats und sollte ggf. mit dem ausländischen Veranstalter geprüft werden. Sollte von den prüfenden Stellen des Beschäftigungsstaates die Vorlage der Entsendebescheinigung eingefordert werden, muss diese im Nachhinein beantragt und vorgelegt werden. 

Hinweis: Künstlerinnen und Künstler, die für ein Gastspiel oder ein Projekt im Ausland von einer in Deutschland ansässigen Kompanie oder einem Kollektiv engagiert werden, aber selbstständig tätig sind, müssen die Bescheinigung A1 selbst beantragen.

Weitere Informationen

Die Verwaltungskommission für die Koordinierung der sozialen Sicherheit in Europa hat einen praktischen Leitfaden zu Rechtsfragen in Zusammenhang mit dem anwendbaren Recht erstellt. 

Eine Übersicht zu Bescheinigungen der sozialversicherungsrechtlichen Situation innerhalb der EU und die Formulare A1 / S1 / U1 für EU-Bürgerinnen und -Bürger als PDF zum Download finden sich hier

Weitere Beispiele

Beispiel: 
Ein privat versicherter deutscher Tänzer wird engagiert für eine sechsmonatige Produktion in Großbritannien. Der Veranstalter fordert einen Krankenversicherungsnachweis. Die private Krankenversicherung stellt jedoch keine Bescheinigung A1 aus. Was kann er tun?

Ein privater Krankenversicherungsschutz gilt grundsätzlich europaweit, außerhalb Europas mindestens einen Monat. Bei längeren Aufenthalten kann die Geltungsdauer verlängert werden, oft werden dann jedoch Tarifaufschläge berechnet. Der Tänzer sollte sich mit seiner privaten Krankenversicherung und dem britischen Veranstalter abstimmen, welche Form des Nachweises erbracht werden kann. Ggf. kann er auch eine Bescheinigung A1 bei der DRV Bund beantragen.

Beispiel: 
Einer portugiesischen Artistin wird nach einer anderthalbjährigen Anstellung an einem schwedischen Theater gekündigt. Sie möchte sich in Schweden arbeitslos melden.

In diesem Fall handelt es sich nicht um eine Entsendung, sondern um die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit im europäischen Ausland. Die Artistin kann sich in Schweden arbeitslos melden, dabei gelten für sie die Richtlinien des schwedischen Arbeitslosenversicherungssystems.

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