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Einkunftsarten je nach Tätigkeit

Die Einteilung der Einkünfte anhand der ausgeübten Tätigkeiten

Welcher Staat was besteuern darf, hängt in erster Linie davon ab, welche Tätigkeit genau eine Künstlerin oder ein Künstler ausübt. Dass hier genau zu unterscheiden ist, hat ganz praktische Gründe, denn auf gewerbliche Einkünfte kann der Staat neben der Einkommensteuer auch die Gewerbesteuer erheben. Da darstellende oder bildende Kunstschaffende in der Regel einen freien Beruf ausüben und kein Gewerbe, muss auf den Gewinn nur die Einkommensteuer gezahlt werden, nicht auch die Gewerbesteuer. 

Auch die Verteilung des Besteuerungsrechts zwischen zwei Staaten hängt wesentlich davon ab, welche Art der Tätigkeit ausgeübt wird. Denn die meisten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) weisen bspw. bei einem Gastspiel im Ausland bei Honorarzahlungen an Schauspieler und Tänzer das Besteuerungsrecht dem Auftrittsstaat zu, bei Honorarzahlungen an Regisseure und Bühnenbildner der gleichen Inszenierung jedoch dem Wohnsitzstaat. Der Grund ist, dass Schauspielerinnen und Schauspieler zu den darbietenden Künstlerinnen und Künstlern gehören, die im internationalen Steuerrecht anders behandelt werden als werkschaffende Künstlerinnen und Künstler. Zu den letzteren zählen die bildenden Künstlerinnen und Künstler, im Bühnenbereich auch Regisseurinnen und Regisseure oder Bühnenbildnerinnen und Bühnenbildner. 

Was die Sache kompliziert macht, ist das Wesen der Doppelbesteuerungsabkommen. Diese werden immer bilateral, also zwischen zwei individuellen Staaten, abgeschlossen. Entsprechend hat die Bundesrepublik mit den meisten Staaten der Welt ein individuelles DBA ausgehandelt. Im Ergebnis heißt das: Es muss für jeden Staat zum jeweils aktuellen Zeitpunkt geprüft werden, welche Regelung das DBA gerade vorsieht; eine zwei Jahre zuvor erteilte Auskunft kann in der Zwischenzeit hinfällig geworden sein. 

Hinweis:

Für interdisziplinäre Kompanien oder Kollektive, deren Mitglieder in unterschiedliche Tätigkeitseinteilungen fallen (Bühnenbilderin-werkschaffend, Tänzer-darbietend, Videokünstlerin-werkschaffend, etc.) empfiehlt es sich, im Vorfeld zur Vertragsverhandlung die unterschiedliche Besteuerung zu berücksichtigen. 

 

Folgende Unterteilung in Einkünfte bzw. Tätigkeiten ist nach § 49 EStG relevant:

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1. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Fest angestellte Künstlerinnen und Künstler erzielen im Sinne des Steuerrechts nicht selbstständige Einkünfte, § 49 EStG. Fest angestellt ist dabei, wer nicht als selbstständige Unternehmerin oder selbstständiger Unternehmer handelt, sondern gegenüber der Arbeitgeberin oder dem Arbeitgeber weisungsunterworfen ist. Bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern darf gemäß den gängigen DBA derjenige Staat die Gage/das Einkommen besteuern, auf dessen Gebiet die Beschäftigung ausgeübt wird. 
 
Für die Bundesrepublik gibt es eine Hilfestellung für die schwierige Abgrenzung ("Abgrenzungskatalog").

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2. Selbstständige darbietende Künstlerinnen und Künstler

Selbstständige Künstlerinnen und Künstler werden zunächst einmal nicht als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tätig, sondern als eigene Unternehmerinnen und Unternehmer. Sie sind gegenüber der Auftraggeberin oder dem Auftraggeber nicht bzw. nur in Grenzen weisungsunterworfen. Darbietende Künstlerinnen und Künstler sind solche, die „vor der Kamera“ oder „auf der Bühne“ stehen, also Schauspielerinnen und Schauspieler, Tänzerinnen und Tänzer, Sängerinnen und Sänger, etc. 

Hier gilt die weltweit nahezu einheitliche Sonderregel: Derjenige Staat, in dem der Auftritt stattfindet (Auftrittsstaat), darf auf die Gage die Einkommensteuer erheben. Der Staat, in dem der Künstler ansässig ist (Wohnsitzstaat) muss die dort gezahlte Einkommensteuer berücksichtigen. 

Beispiel: 
Ein in Deutschland lebender Schauspieler wird zu einem Solo-Gastspiel nach Frankreich eingeladen und erhält eine Gage von 5000 Euro. Wo muss er diese versteuern?

Als Schauspieler ist er ein darbietender Künstler. Nach dem DBA mit Frankreich ist die Gage im Auftrittsstaat zu versteuern, also in Frankreich. Von dort kann er eine Bestätigung (äquivalent zum deutschen Muster) über die erhobene Steuer erhalten, die er dem deutschen Finanzamt vorlegt. Das Finanzamt wird dies dann bei der Berechnung der deutschen Einkommensteuer steuermindernd berücksichtigen. 

Da die DBA jeweils für beide Staaten spiegelbildlich gelten, spielt es für das Ergebnis keine Rolle, ob ein in Deutschland lebender Künstler im Ausland tätig wird oder umgekehrt – es gilt in beiden Fällen die gleiche Rechtslage, nur eben spiegelbildlich. 

Beispiel: 
In Abwandlung des vorigen Beispiels tritt eine in Frankreich lebende Schauspielerin gegen eine Gage in Deutschland auf. Die Gage ist im Auftrittsland zu versteuern, also in diesem Fall in Deutschland. 

Dies betrifft auch Honorarzahlungen bspw. für Proben. Nach dem deutschen Einkommensteuergesetz liegen inländische (also in der Bundesrepublik erzielte) Einkünfte auch dann vor, wenn die Proben (teilweise) im Ausland stattfanden, der Auftritt aber im Inland.

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3. Selbstständige werkschaffende Künstlerinnen und Künstler

Zu den werkschaffenden Künstlerinnen und Künstlern zählen die bildenden Künstlerinnen und Künstler wie aus der Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Installationskunst etc. und im Theaterbereich alle, die „hinter der Bühne“ arbeiten, also aus den Bereichen Regie, Bühnenbild, Kostümbild, Lichtdesign, Komposition, Choreografie. 

Nach den meisten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) gilt, dass deren Einkünfte allein in dem Wohnsitzstaat zu versteuern sind, nicht aber in dem Staat, in dem sie tätig geworden sind. 

Beispiel: 
Ein in Großbritannien lebender Regisseur erhält für eine Inszenierung in Deutschland eine Gage von  7000 Euro. Wo fällt die Steuer an?

Regisseurinnen und Regisseure werden in Deutschland nach dem Abgrenzungskatalog in der Regel selbstständig tätig. Zudem sind sie werkschaffende Künstler. Nach dem DBA mit Großbritannien wird die Gage damit im Wohnsitzstaat besteuert, also in Großbritannien. 

Dies gilt gleichermaßen für bildende Künstlerinnen und Künstler, die bspw. im Rahmen einer im Ausland stattfindenden Ausstellung Werke verkaufen. Auch hier gilt: Es handelt sich um werkschaffende Künstlerinnen und Künstler, deren Einkünfte in der Regel nicht dort besteuert werden, wo sie etwas verkaufen, sondern wo sie ihren Hauptwohnsitz haben. Dies gilt unabhängig davon, ob sie das Werk in ihrem Wohnsitzstaat geschaffen haben oder im Ausland. 

Beispiel: 
Eine in Großbritannien lebende Malerin schafft Werke während eines Aufenthalts in Deutschland und verkauft diese später in einer deutschen Galerie.
 

Zwar hat sie die Werke hierzulande geschaffen und erzielt damit Einkünfte in der Bundesrepublik, nach dem DBA mit dem Vereinigten Königreich sind Einkünfte aus einer selbstständigen werkschaffenden (und nicht darbietenden) Tätigkeit im Wohnsitzstaat zu versteuern, hier also in Großbritannien. 

Beispiel: 
Ein in Deutschland lebender Maler stellt seine Werke in Italien aus und erhält von der ausstellenden Galerie seinen Anteil aus Verkäufen. 

Auch hier gilt, dass die aus den Verkäufen erzielten Einkünfte nicht in Italien, sondern im Wohnsitzstaat Deutschland zu versteuern sind. 

Das Ergebnis kann sich jedoch auch umkehren: Wenn die Galerie dauerhaft für den Künstler tätig wird und ihn in Italien ständig vertritt, kann sie dadurch zu einer sog. Betriebsstätte des Künstlers werden (es gibt jedoch noch keine verbindliche Definition, wann eine Galerie zur Betriebsstätte eines Künstlers werden kann!). Damit wären alle über die Galerie bezogenen Einkünfte auch in Italien steuerpflichtig. Für den Abzug wäre dann der Künstler als Inhaber der Betriebsstätte verantwortlich, nicht der Galerist.

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4. Vorträge und Workshops

Wenn bspw. eine werkschaffende Künstlerin im Ausland Workshops betreut, ist dies ebenfalls eine selbstständige, aber nicht darbietende Tätigkeit, die entsprechend im Wohnsitzstaat zu versteuern ist. 

Anders kann es aussehen bei einem Vortrag der Künstlerin. Soweit dieser als Darbietung einzustufen wäre, müssten diese Einkünfte entsprechend der Regelung in den meisten DBA im Auftrittsort versteuert werden. Die juristischen Auffassungen, wann genau ein Vortrag eine Darbietung sein kann, gehen jedoch weit auseinander. Für die deutsche Finanzverwaltung bspw. kann auch schon eine Kunstausstellung eine Darbietung sein. Da es hierzu jedoch keine Gerichtsurteile gibt, bleibt eine Unsicherheit in der Rechtsanwendung.

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5. Einkünfte aus der Verwertung von Urheberrechten

Einen Sonderfall stellt die Verwertung von Urheberrechten und Leistungsschutzrechten dar. Dies wird immer dann relevant, wenn Künstlerinnen oder Künstler – ob aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Schauspiel, Tanz, Autorentätigkeit – Rechte zur Nutzung einräumen. Hier gilt nach den meisten DBA, dass diese Einkünfte im Wohnsitzstaat der Künstlerin oder des Künstlers zu versteuern sind. 

Beispiel: 
Eine in der Bundesrepublik lebende Bühnenautorin erhält für die Aufführung ihres Stücks in Großbritannien eine Lizenzzahlung in Höhe von 5000 Euro. Wo müssen die Einkünfte versteuert werden?

Die Einkünfte aus Nutzungsrechten sind nach dem DBA mit Großbritannien im Wohnsitzstaat der Künstlerin zu versteuern, hier also in der Bundesrepublik. 

Komplizierter wird es in den Fällen, in denen die Künstlerin im anderen Staat auch noch aktiv tätig wird, also eine gemischte Tätigkeit vorliegt. Hier muss man die Tätigkeit bzw. das Honorar dann genau aufschlüsseln. Bei werkschaffenden Künstlerinnen und Künstlern ist das in der Regel unproblematisch, denn ihre Einkünfte sind ja zumeist ohnehin im Wohnsitzstaat zu versteuern. Differenzieren muss man aber bei darbietenden Künstlerinnen und Künstlern. 

Beispiel: 
Ein deutscher Tänzer mit Wohnsitz in Spanien erhält eine Gage für einen Auftritt in Deutschland einschließlich Aufzeichnung und Sendung im Fernsehen. 

Hier liegt eine gemischte Tätigkeit vor: Einerseits tritt der Tänzer in Deutschland auf und hat entsprechend Einkünfte aus einer Darbietung – diese Einkünfte sind nach dem DBA mit Spanien im Auftrittsstaat zu besteuern, also in Deutschland. Darüber hinaus räumt er Verwertungsrechte ein, indem er das Aufzeichnen und Ausstrahlen gestattet, und erhält hierfür ebenfalls die Gage – diese ist nach dem DBA im Wohnsitzstaat zu versteuern. Hier muss die Gage entsprechend aufgeteilt werden. Wenn der Vertrag selbst keine realistische Aufteilung vornimmt, kann nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts im Rahmen des Abzugsverfahrens (welches der Vergütungsschuldner betreiben muss) eine Aufteilung 1/3 Darbietung und 2/3 Rechteverwertung vorgenommen werden. 

Für bildende Künstlerinnen und Künstler stellt sich die Rechtslage weniger umständlich dar. Denn deren Einkünfte aus werkschaffenden Tätigkeiten sind in der Regel im Wohnsitzstaat zu versteuern, ebenso wie Einkünfte aus dem Einräumen von Nutzungsrechten. Damit ist ein Aufteilen der Einkünfte hier nicht nötig. 

Beispiel: 
Eine bildende Künstlerin räumt einem in Frankreich ansässigen Verlag Nutzungsrechte ein für das Abbilden ihrer Werke in einem Katalog.
 

Soweit sie hierfür eine Vergütung erhält, muss sie diese in ihrem Wohnsitzstaat versteuern. (siehe auch Urheberrecht)

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