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Verfahren und Vorgehensweisen

Verwaltungsverfahren

Ob die Steuerpflicht in Deutschland besteht oder in dem jeweils anderen Staat – auf jeden Fall muss die Steuer dort angemeldet und abgeführt werden, wo sie anfällt. Entsprechend ist das in dem jeweiligen Besteuerungsstaat geltende Verwaltungsverfahren einzuhalten. 

In Deutschland sind die aus dem Ausland kommenden Künstlerinnen und Künstler, die hier temporär arbeiten, nicht für das Verwaltungsverfahren verantwortlich. Vielmehr müssen die jeweiligen (in der Regel inländischen) Veranstalterinnen und Veranstalter, die die Gage/das Honorar zahlen, auch die Einkommensteuer einbehalten und an das Finanzamt abführen. Der Gesetzgeber hat hier ganz bewusst die Vertragspartei in die Pflicht und die Haftung genommen, die im Inland ansässig und daher für das Finanzamt greifbar ist. Die Künstlerinnen und Künstler müssen also keine Formalitäten beachten. 

Für die Künstlerinnen und Künstler sind jedoch folgende Punkte wichtig und zu beachten: 

  1. Zu Beginn ist eine vertragliche Vereinbarung über die Höhe der Vergütung abzuschließen. mehr dazu hier
  2. Zum Abschluss benötigt die Künstlerin oder der Künstler eine Bestätigung darüber, dass die fällige Einkommensteuer einbehalten und an das Finanzamt abgeführt wurde. Denn diese Bescheinigung (siehe Muster rechts) kann die Künstlerin oder der Künstler dem heimischen Finanzamt vorlegen, damit die Gage nicht doch einer doppelten Besteuerung unterworfen wird. mehr dazu hier
  3. Hinzu kann in Einzelfällen die Möglichkeit kommen, eine Freistellung vom Steuerabzug zu erhalten bzw. die Erstattung der abgezogenen Steuer zu beantragen. mehr dazu hier

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1. Vereinbarung einer Brutto- oder Nettovergütung

Da Veranstalterinnen und Veranstalter bei einer Darbietung (darbietenden Tätigkeit) zum Einbehalten der Einkommensteuer verpflichtet sind, möchten sie diesen Kostenfaktor natürlich gerne bei den Künstlerinnen und Künstlern belassen. Veranstalterinnen und Veranstalter werden also eine Regelung bevorzugen, nach der die Steuer von der vereinbarten Gage abgezogen wird (Bruttovergütung). Die Künstlerinnen und Künstler hingegen möchten die Gage natürlich gerne ohne Abzüge in voller Höhe ausgezahlt bekommen (Nettovergütung). 

Die Position von Veranstalterinnen und Veranstaltern ist durchaus verständlich, denn wenn beide Seiten, Künstlerin oder Künstler und Veranstalterin oder Veranstalter, in Deutschland ansässig sind, spielt die individuelle Besteuerung der Künstlerin oder des Künstlers ja auch keine Rolle. Die Künstlerin oder der Künstler erhält vielmehr eine Gage und versteuert diese, erhält faktisch also nur einen Teil der Vergütung. Letztendlich muss jede Seite entscheiden, was sie mindestens unterm Strich im Portemonnaie haben möchte bzw. maximal zu zahlen bereit ist. Ob der Weg dann über eine Brutto- oder eine Nettovergütung führt, ist zweitrangig. 

Beispiel:
Ein spanischer Tänzer vereinbart für einen Gastauftritt in Deutschland eine Gage von 800 Euro. Kann der Veranstalter die Einkommensteuer von der Gage abziehen?
 

Wenn der Veranstalter eine Bruttovergütung durchgesetzt hat, würde er bei einem effektiven Steuersatz (inklusive Solidaritätszuschlag) in Deutschland von 15,825 % nur einen verminderten Betrag an den Künstler auszahlen, nämlich 800 Euro ‐ 86,60 Euro = 713,40 Euro. Anders, wenn der Künstler und der Veranstalter eine Nettovergütung vereinbart haben und der Künstler damit die Auszahlung der vollen Gage ohne Abzüge verlangen kann. In diesem Fall hat der Veranstalter höhere Kosten und muss zu der unverminderten Gage von 800 Euro noch zusätzlich die Steuer aufbringen und an das Finanzamt zahlen.

 

Sonderfall: Freigrenze bis 250 Euro brutto

Eine Besonderheit bildet die Freigrenze für Darbietungen. Bei einer Gage von bis zu 250 Euro brutto fällt keine Einkommensteuer an: Der deutsche Gesetzgeber hat im EStG geringe Gagen speziell für Darbietungen von der Besteuerung ausgenommen: Bei einer Bruttogage von maximal 250 Euro je Darbietung gilt ein Steuersatz von 0 %, also faktisch Steuerfreiheit. 

Beispiel:
Wenn eine Musikgruppe auftritt, ist die Gage nach Köpfen aufzuteilen, soweit nichts anderes vereinbart wurde. Bei einer Bruttogage von 1000 Euro und vier Künstlern erzielt damit jeder eine Bruttogage von 250 Euro, die damit nicht besteuert wird.
 

Achtung!

"Darbietungen" bezieht sich nur auf die Aufführungen vor Publikum. Diese Regelung gilt also nicht für Honorare, die für die Probenphase gezahlt werden. 

Da diese Freigrenze nur für Darbietungen gilt, kommen werkschaffende Künstlerinnen und Künstler nicht in deren Genuss. 

 

Sonderfall: Kulturorchestererlass – eine weitere Begünstigung bei öffentlicher Förderung 

Eine weitere Begünstigung gibt es durch den sogenannten Kulturorchestererlass des Bundefinanzministeriums (BMF). Danach ist die an eine ausländische Kulturvereinigung gezahlte Gage dann nicht im Inland steuerpflichtig, wenn der Auftritt „wesentlich“ aus öffentlichen Mitteln gefördert wird. Hintergrund ist, dass die aus Steuermitteln finanzierte Förderung nicht ihrerseits besteuert werden soll. „Wesentlich“ ist die Förderung dabei erst, wenn sie mindestens 1/3 der Kosten des Auftritts abdeckt. Details regelt der Erlass durch das Schreiben des BMF vom 20. Juli 1983

Merkblatt steuerliche Behandlung ausländischer Kulturvereinigungen / Kulturorchestererlass des BMF

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2. Bestätigung über den vorgenommenen Steuerabzug

Die Bestätigung über den Steuerabzug ist immer dann wichtig, wenn die Besteuerung nicht im Wohnsitzstaat vorgenommen wird, sondern in dem jeweils anderen Staat. Denn der Wohnsitzstaat erfährt über die Steuererklärung – wenn sie wahrheitsgemäß vorgenommen wird – von den im Ausland erzielten Einkünften, aber nicht zwangsläufig von der dort gezahlten Einkommensteuer. Es braucht deshalb eine Bescheinigung des anderen Staates, dass und in welcher Höhe die jeweilige Gage dort versteuert wurde. Diese Bescheinigung wird – auf Anforderung – in der Regel von dem jeweiligen Vertragspartner vor Ort organisiert und an die Künstlerin oder den Künstler geschickt. Diese Bescheinigung legt die Künstlerin oder der Künstler dann der Steuererklärung bei, so dass das Finanzamt die im Ausland gezahlte Steuer berücksichtigen kann. 

Auch dies gilt spiegelbildlich, also sowohl für den Fall eines in Deutschland ansässigen Schauspielers oder Tänzers, der im Ausland auftritt, wie auch umgekehrt für eine im Ausland ansässige Künstlerin, die in der Bundesrepublik auftritt. Unterschiedlich sind jedoch die genauen Abläufe der Verwaltungsverfahren, die Benennung und Ausgestaltung der Formulare (s. hier bspw. die Bescheinigung zum vorgenommenen Steuerabzug des Bundeszentralamts für Steuern, www.bzst.de) etc. Es ist vor allem dieses Aufsplitten der Materie in verschiedene nationale Regelungen, die das Thema der Besteuerung von grenzüberscheitend tätigen Künstlerinnen und Künstlern aufwendig macht.

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3. Doppelbesteuerungsabkommen

FÜR VERANSTALTER: ERSTATTUNG BZW. FREISTELLUNG VOM STEUERABZUG

Grundmerkmal des Steuerrechts ist, dass grundsätzlich mehrere Staaten auf eine Einnahme zugreifen können. Anschaulich zeigt sich dies bspw. beim Auftritt eines Musikers: Dessen Gage ist – nach dem Welteinkommensprinzip – in dessen Wohnsitzstaat zu versteuern und zusätzlich im Auftrittsstaat. Damit es nicht tatsächlich zu einer doppelten Besteuerung kommt, verteilen die DBA das Besteuerungsrecht. 

Im Verwaltungsverfahren kann es nun dazu kommen, dass zwar im konkreten Fall nach dem jeweiligen DBA bspw. die Bundesrepublik kein Besteuerungsrecht hat, sie per Gesetz den Vergütungsschuldner aber erst einmal zwingt, die inländische Steuer abzuführen und ihn darauf verweist, hinterher die Erstattung in einem separaten Verwaltungsverfahren zu verlangen. Was merkwürdig und bürokratisch erscheint, hat einen einfachen Hintergrund: Auf dem schwierigen Gebiet der „Ausländersteuer“ soll die Finanzverwaltung erst einmal in Ruhe prüfen können, ob tatsächlich kein inländischer Steueranspruch besteht. Damit das Geld aber schon einmal gesichert ist, soll der Vergütungsschuldner erst einmal zahlen. Wenn dann auch das Finanzamt zu dem Ergebnis kommt, dass im Inland keine Steuerpflicht besteht, zahlt es das Geld zurück. 

Der Nachteil dieses Verfahrens ist offensichtlich: Es dauert und es entzieht den inländischen Veranstalterinnen und Veranstaltern Liquidität. Als Alternative gibt es daher die Möglichkeit, rechtzeitig vorher beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) prüfen zu lassen, bei welchem Staat das Besteuerungsrecht gilt. Wenn das BZSt eine Freistellung bewilligt, braucht der Vergütungsschuldner den Steuerabzug nicht vorzunehmen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Freistellung genehmigt wurde, bevor er die Gage an die Künstlerin oder den Künstler auszahlt. Da das Verfahren beim BZSt Monate in Anspruch nehmen kann, muss die Freistellung entsprechend früh beantragt werden. 

Für die Freistellung (von Künstlern und Lizenzen) finden sich beim BZSt die Antragsformulare in verschiedenen Sprachen. Der Veranstalter kann diese vorab (weitestgehend ausgefüllt) an die ausländische Künstlerin bzw. den Künstler zur Unterschrift und Ergänzung senden. Wichtig ist die Angabe des zuständigen Finanzamts (Steuerbüro oder Steuerberater reicht nicht). 

Das Bundeszentralamt für Steuern www.bzst.de stellt umfassende Informationen und Merkblätter, auch auf Englisch, zum Freistellungs- und Erstattungsverfahren zur Verfügung sowie einen sehr hilfreichen Fragen & Antworten-Bereich.

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