Verwertungsrechte/ materielle Interessen

Materielle Interessen der Urheberinnen und Urheber werden umfassend durch die sogenannten Verwertungsrechte des Urhebers geschützt (§ 15 UrhG). Der Urheber ist alleiniger Inhaber der Verwertungsrechte (Einschränkung: Ausstellungsrecht). Wenn es sich um Werke mit verschiedenen Miturheberinnen und Miturhebern handelt, können die Verwertungsrechte nur gemeinschaftlich wahrgenommen werden. Sie können mittels einer Lizenz als Nutzungsrechte einem anderen zur Ausübung übertragen werden.
Für die Bildende Kunst und die Darstellende Kunst sind die Verwertungsrechte von unterschiedlicher Bedeutung. Wichtig sind:

Das Vervielfältigungsrecht, also „das Recht, Vervielfältigungsstücke des Werkes herzustellen, gleichviel ob vorübergehend oder dauerhaft, in welchem Verfahren und in welcher Zahl“ (§ 16 UrhG Abs. 1); Beispiele sind: Kunstdrucke einer Skulptur oder einer Installation; die filmische Aufnahme einer zeitgenössischen Tanzchoreografie und Vervielfältigung auf DVD, auch ohne Vertrieb.

Das Verbreitungsrecht, also das „Recht, das Original oder Vervielfältigungsstücke des Werkes der Öffentlichkeit anzubieten oder in Verkehr zu bringen“ (§ 17 Abs. 1 UrhG).
Die Weiterverbreitung durch die Besitzerin oder den Besitzer ist zulässig, wenn das Werk innerhalb der EU oder des EWR verkauft wurde (§ 17 Abs. 2 UrhG). Diese Regelung besteht, um den freien Warenverkehr nicht übermäßig zu behindern.
Ausnahmen gelten für die Vermietung und das Verleihen: Diese Handlungen kann die Urheberin oder der Urheber zwar nicht verbieten, sie sind aber vergütungspflichtig, das heißt die Künstlerin oder der Künstler würde einen Anteil des erwirtschafteten Gewinns aus der Vermietung/Verleihung erhalten. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.

Beispiel Verbreitungsrecht:
Eine Künstlerin verkauft ihr Gemälde an eine Galerie in Antwerpen und übereignet das Gemälde. Damit hat diese das Recht, das Bild auszustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen oder auch, das Gemälde weiter zu verkaufen. Hierfür muss die Galerie nicht die Erlaubnis der Künstlerin einholen. Dasselbe würde für eine Galerie in anderen Staaten, die der EU bzw. dem EWR angehören, gelten. Bei einem Verkauf des Werkes an eine Galerie außerhalb der EU und des EWR, zum Beispiel in Kanada, bräuchte die Galerie jedoch die Zustimmung der Künstlerin.

Das Ausstellungsrecht, also „das Recht, das Original oder Vervielfältigungsstücke eines unveröffentlichten Werkes der Bildenden Künste oder eines unveröffentlichten Lichtbildwerkes (das heißt einer urheberrechtlich geschützten Fotografie) öffentlich zur Schau zu stellen“ (§ 18 UrhG). Aufgrund seiner schwachen Ausgestaltung – nämlich der Beschränkung auf unveröffentlichte Werke – ist dieses Recht praktisch bedeutungslos.

Das Aufführungsrecht, das Recht der öffentlichen Wiedergabe in Form der bühnenmäßigen Aufführung nach § 19 Abs. 2 Alt. 2 ist immer betroffen, wenn ein Werk auf einer Bühne im Theater vor einem Publikum interpretiert und vorgetragen wird. Es umfasst darüber hinaus auch das Recht, Aufführungen außerhalb des Raumes, in dem die persönliche Darbietung stattfindet, öffentlich wahrnehmbar zu machen (bspw. die Live-Übertragung einer Tanzperformance in der Staatsoper Berlin auf den Bebelplatz über eine Großbildleinwand).

Das Vorführungsrecht, also das Recht, bspw. ein Werk der Bildenden Kunst oder einen Film öffentlich wahrnehmbar zu machen (§ 19 Abs. 4 UrhG). Das Werk wird durch eine Filmvorführung oder eine Diashow einer Öffentlichkeit präsentiert, die die Darbietung gemeinsam wahrnimmt. Diese Definition steht in Abgrenzung zum Senderecht. Das Vorführungsrecht umfasst also nicht das Recht, Werke durch die sogenannte öffentliche Zugänglichmachung oder durch Funksendungen öffentlich wahrnehmbar zu machen. Dieses wird vom Senderecht in § 22 UrhG erfasst.

Beispiel Vorführungsrecht:
Eine Fotoserie einer Ausstellung/eines Theaterabends wurde aufgenommen und einem interessierten Publikum einige Jahre später vorgeführt.

Das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung (§ 19a UrhG). Hinter diesem etwas schwer verständlichen Begriff steckt das Recht zum Bereitstellen eines Werkes zum Abruf durch die Öffentlichkeit von Orten und zu Zeiten ihrer Wahl – also typischerweise durch Upload ins Internet.

Beispiel Recht der öffentlichen Zugänglichmachung:
Ein choreografisches Werk wurde als Video im Internet über YouTube hochgeladen. Dieses steht jedem Mitglied der Öffentlichkeit zu Ort und Zeit seiner Wahl zum Abruf zur Verfügung.

Das Senderecht (§ 20 UrhG), also das Recht, Funksendungen und auf öffentlicher Zugänglichmachung beruhende Wiedergaben eines Werkes öffentlich wahrnehmbar zu machen. Klassische Beispiele dafür sind die Wiedergabe durch das Fernsehen oder das Radio.

Beispiel Senderecht:
Die Sendung einer Ballettaufführung oder eines Rundgangs durch eine Galerie im Fernsehen oder auch die Sendung eines dramatischen Werks als Hörspiel im Radio.

Das Recht der Wiedergabe durch Bild- und Tonträger (§ 21 UrhG) ist das Recht, Aufführungen eines Werkes mittels Bild- und Tonträger öffentlich wahrnehmbar zu machen. Damit ist das Recht gemeint, darüber bestimmen zu können, ob die DVD einer Tanzperformance im Rahmen eines Festivals einem Publikum auf einer Leinwand gezeigt werden darf. Erwirbt man eine DVD hat sich nur das Verbreitungsrecht erschöpft – alle anderen Urheberrechte bleiben bestehen und müssen erworben werden. Man darf also mit dieser erworbenen DVD keine urheberrechtlich relevanten Handlungen vornehmen.

Das Bearbeitungsrecht nach § 23 UrhG ist vom Grunde her immer betroffen, wenn das Werk in seinem geistig-ästhetischen Gehalt verändert wird. Dann muss eine gesonderte Einwilligung durch den Urheber eingeholt werden. Dies gilt insbesondere bei Veränderungen an Werken der Bildenden Kunst und Kürzungen von Werken. In der Darstellenden Kunst ist die Abgrenzung der Bearbeitung zu der Interpretationsfreiheit von Schauspielerin oder Schauspieler, Tänzerin oder Tänzer und Regisseurin oder Regisseur dabei sehr problematisch.

Das Folgerecht ist bedeutend für Werke der Bildenden Kunst und Lichtbildwerke: Bei jedem Weiterverkauf eines Werkes, an dem ein Kunsthändler oder Versteigerer beteiligt ist, haben Künstlerinnen und Künstler einen Anspruch auf eine prozentuale Beteiligung am Erlös (§ 26 UrhG). Eine Urheberin oder ein Urheber kann – anders als bei Verwertungsansprüchen – eine Nutzung nicht verbieten, erhält dafür aber einen Vergütungsanspruch. Ähnliches gilt für das Vermiet- und Verleihrecht (§ 27 UrhG), das zum Beispiel im Bereich der Bildenden Kunst für Artotheken von Bedeutung ist.

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