Ukraine - Informationen

FAQ Geflüchtete aus der Ukraine - Aufenthalt und Sozialleistungen

In diesem FAQ fassen wir wichtige Regelungen zum Aufenthaltsrecht und Sozialrecht zusammen, die für aus der Ukraine Geflüchtete gelten, die sich in Deutschland aufhalten und hier arbeiten, und verlinken weiterführende Informationen.

(Stand 14. April 2022)

Was gilt für den Aufenthalt nach der Einreise?

Aus der Ukraine geflüchtete Menschen benötigen für die Einreise nach Deutschland kein Visum, entsprechend der Ukraine-Aufenthalts-Übergangsverordnung (UkraineAufenthÜV) vom 7. März 2022. Dies gilt für alle Personen die

  • sich am 24. Februar 2022 in der Ukraine aufgehalten haben und nach diesem Datum nach Deutschland eingereist sind, unabhängig von der Staatsbürgerschaft,
  • ukrainische Staatsbürger:innen sind, in der Ukraine anerkannte Flüchtlinge oder Menschen, die in der Ukraine internationalen oder nationalen Schutz erhalten haben, und die sich am 24. Februar 2022 vorübergehend nicht in der Ukraine aufgehalten haben, dort aber für gewöhnlich leben.

Die Regelung gilt rückwirkend ab dem 24. Februar 2022 und vorerst bis zum 31. August 2022 (Bundesratsbeschluss vom 8. April). Bis Ende August ist der Aufenthalt ohne Aufenthaltstitel erlaubt. Ein Aufenthaltstitel für den weiteren Aufenthalt in Deutschland kann in Deutschland beantragt werden.

Eine Erwerbstätigkeit ist ohne Aufenthaltstitel nicht gestattet.

Informationen

Nach oben

Welche Möglichkeiten für einen längerfristigen Aufenthalt in Deutschland gibt es?

Bis zum 31. August 2022 muss ein Antrag auf einen Aufenthaltstitel gestellt werden. Zuständig ist die Migrationsbehörde am aktuellen Wohnort bzw. am Ort der Registrierung.

Möglich ist ein Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis nach § 24 Aufenthaltsgesetz („vorübergehender Schutz“).

Möglich ist auch die Beantragung einer Aufenthaltserlaubnis für einen bestimmten Zweck, z. B. Aufnahme eines Studiums, Visum für Fachkräfte, Visum für Selbstständigkeit, Familiennachzug etc. (§ 16 ff. AufenthG). Um eine solche Aufenthaltserlaubnis zu erhalten, muss der Lebensunterhalt in Deutschland eigenständig gesichert werden können.

Von der Eröffnung eines Asylverfahrens wird zurzeit abgeraten. Ein Asylverfahren ist mit Arbeitsverbot, Unterbringung in einer Sammelunterkunft etc. verbunden.

Informationen

Nach oben

Aufenthalt nach § 24 AufenthG „vorübergehender Schutz“

Mit dem vorübergehenden Schutz nach § 24 wird die Massenzustromrichtlinie der EU (Richtlinie 2001/55/EG) umgesetzt. Ein Asyl-Verfahren ist nicht notwendig.

Wann und wo muss der Antrag gestellt werden, wie lange ist er gültig?

Der Antrag muss vor dem 31. August 2022 gestellt werden. Zuständig ist die Migrationsbehörde am aktuellen Wohnort (BAMF: Behörden-Suche). Anträge sind kostenfrei und bei den Behörden teilweise elektronisch möglich.

Der Aufenthaltstitel ist zwei Jahre gültig, kann unter Umständen auf bis zu 3 Jahre verlängert werden. Der Aufenthalt kann nicht auf einen ggf. späteren Antrag auf Niederlassungserlaubnis angerechnet werden.


Erwerbstätigkeit gestattet
Der Aufenthaltstitel gestattet den vollen Zugang zum Arbeitsmarkt, Anstellungen und selbständige Tätigkeiten sind möglich – ab dem Zeitpunkt der Antragstellung. Mit Antragstellung wird eine Fiktionsbescheinigung ausgestellt, die bereits eine Erwerbstätigkeit gestattet.

Wer kann den Aufenthaltstitel bekommen?

  • Ukrainische Staatsangehörige, die vor dem 24. Februar 2022 ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der Ukraine hatten,
  • Staatenlose und Staatsangehörige anderer Drittländer als der Ukraine, die vor dem 24. Februar 2022 in der Ukraine internationalen Schutz oder einen gleichwertigen nationalen Schutz genossen haben,
  • Familienangehörige des genannten Personenkreises (auch unverheiratete Partner*innen),
  • Staatenlose und Staatsangehörige anderer Drittländer, die nachweisen können, dass sie sich vor dem 24. Februar 2022 auf der Grundlage eines nach ukrainischem Recht erteilten Aufenthaltstitels rechtmäßig in der Ukraine aufgehalten haben, und die nicht in der Lage sind, sicher und dauerhaft in ihr Herkunftsland oder ihre Herkunftsregion zurückzukehren.


Wohnort in Deutschland
Wer eine nachhaltige Wohnmöglichkeit hat und dies durch einen unbefristeten Mietvertrag, eine Bestätigung des Wohngebers oder Meldung in der Kommune nachweisen kann, kann an dem selbst gewählten Ort bleiben. Auch ein verbindliches Arbeitsangebot, ein Ausbildungs- oder Studienplatz kann ausschlaggebend sein.

Wer keine nachhaltige Wohnmöglichkeit hat, wird einer Kommune zugeteilt. Diese Wohnsitzauflage kann aufgehoben werden, wenn eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, eine Berufsausbildung oder ein Studium aufgenommen wird oder jemand zu Familienangehörigen umzieht.


Wechsel des Aufenthaltstitels

Ein späterer Wechsel in einen anderen Aufenthaltstitel (zur Erwerbstätigkeit, Aufnahme eines Studiums etc.) ist möglich.

Informationen

Nach oben

Aufenthalt für einen anderen Zweck (Anstellung, selbständige Tätigkeit etc.)

Statt eines Aufenthaltes zum vorübergehenden Schutz kann während des visafreien Aufenthalts bei der zuständigen Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis zu einem anderen Zweck beantragt werden, z.B. als Fachkraft (für eine Anstellung), für eine selbstständige Tätigkeit, zu Studienzwecken, zum Familiennachzug zu hier lebenden Angehörigen usw.

Für diese Aufenthaltserlaubnisse muss der Lebensunterhalt nachweislich eigenständig gesichert sein. Das bedeutet auch, dass keine Sozialleistungen in Anspruch genommen werden können.

Der Aufenthaltszweck ist in den Papieren festgehalten. Wer bspw. eine Aufenthaltserlaubnis nach § 21 Selbständige Tätigkeit hat, darf nur als Selbständiger im angegeben Tätigkeitfeld arbeiten. Einer Änderung des Aufenthaltszweckes muss die Behörde zustimmen.

Die Beantragung kann dann sinnvoll sein, wenn man beabsichtigt, langfristig in Deutschland zu bleiben und eine Niederlassungserlaubnis anstrebt. Ein Wechsel von einer Aufenthaltserlaubnis nach § 24 in eine andere Aufenthaltserlaubnis ist möglich.


Informationen

Nach oben

Welche Sozialleistungen können bezogen werden?

Bei einer Aufenthaltserlaubnis nach §24 AufenthG gelten die Regelungen des Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) auf Unterstützung durch den Staat:

  • Geldleistungen (Wohngeld, Geld für Lebensmittel etc.; entsprechend in etwa ALG II)
  • Krankenversicherung
  • Kindergeld (andere Familienleistungen, wenn eine Erwerbstätigkeit aufgenommen wird)
  • Zugang zu Deutschkursen; es besteht allerdings kein Anspruch auf die Teilnahme an einem kostenlosen Angebot
  • Zugang zum Schulsystem
  • Recht auf Familiennachzug
  • Beratung und Vermittlung nach dem Arbeitsförderungsrecht durch die Agenturen für Arbeit. Dies betrifft auch die ZAV Künstlervermittlung, die Darstellende Künstler:innen beraten kann, die aus der Ukraine flüchten mussten.

Zuständig ist das Sozialamt am Ort des Aufenthaltes.

Wichtig: Geldzahlungen (auch Stipendien) werden auf Sozialleistungen angerechnet. Der Freibetrag bei eigenem „verwertbarem Vermögen“ ist auf 200 Euro pro Person begrenzt.

Voraussichtlich ab dem 1. Juni werden andere Regelungen gelten. Geflüchtete aus der Ukraine mit einer Aufenthaltserlaubnis nach § 24 AufenthG können dann so wie andere anerkannte Asylsuchende Leistungen nach SGB II und SGB XII erhalten. Sie sind dann auch regulär über eine gesetzliche Krankenversicherung versichert. Für Erwerbsfähige ist dann das Jobcenter für Leistungen zum Lebensunterhalt und für die Arbeitsvermittlung zuständig.


Informationen
:

Nach oben

Aufenthalt nach § 24 + Anstellung

Eine Anstellung ist generell möglich. Es gelten die gleichen Regelungen wie für alle Angestellten. Der Arbeitgeber führt Sozialversicherungsbeiträge ab, der*die Angestellte versichert sich bei einer Krankenkasse. Das Einkommen ist zu versteuern.

Das Einkommen wird auf Sozialleistungen angerechnet. Es gilt ein Freibetrag von 25 % des Bruttoeinkommens, max. sind 50 % des festgelegten Regelbedarfs anrechnungsfrei.

Nach oben

Aufenthalt nach § 24 + selbständige Tätigkeit

Eine selbständige Tätigkeit ist generell möglich. Es gelten die gleichen Regelungen wie für alle selbständig Tätigen: eigenständige Versicherung bei einer Krankenkasse, Sozialversicherung über die Künstlersozialkasse KSK ist generell möglich, Anmeldung der Selbständigkeit (über das Formular „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“, ELSTER, online).

Einkommen wird auf Sozialleistungen angerechnet. Es gilt ein Freibetrag von 25 % des Bruttoeinkommens, max. sind 50 % des festgelegten Regelbedarfs anrechnungsfrei.

Nach oben

Aufenthalt nach § 24 + Stipendien, Aufwandsentschädigungen etc.

Zahlungen von Aufwandsentschädigungen, für ehrenamtliche Tätigkeiten etc. sind möglich. Hier gilt ein Freibetrag von 250 Euro im Monat, der nicht als Einkommen zu berücksichtigen ist und nicht auf Sozialleistungen angerechnet wird.

Stipendien sind möglich, werden aber auf Sozialleistungen angerechnet.

Nach oben

Beratungsstellen

Linkliste, bundesweit: https://adressen.asyl.net/language/en/welcome-to-informationnetwork-asylum-and-migration/

Refugee Law Clinics: www.refugeelawclinics.de, Überblick Refugee Law Clinics in Deutschland > Link

Berliner Netzwerke:

Moabit Hilft

Berlin Hilft

Flüchtlingsrat Berlin

Nach oben

Що необхідно знати українським біженцям про перебування та соціальну допомогу в Німеччині? pdf