Freie Tätigkeit oder Gewerbe?

„Künstlerische Tätigkeit“ ist in Deutschland nicht definiert, sie kann als Arbeitnehmer*in/Angestellte*r in einem Beschäftigungsverhältnis ausgeübt werden oder selbstständig.
Wird eine künstlerische Tätigkeit selbstständig ausgeübt, wird zwischen einer freiberuflichen Tätigkeit und einem Gewerbebetrieb unterschieden. Generell lässt sich sagen: Für Gewerbetreibende sind Handelsgeschäfte und Kapitaleinsätze typisch. Bei Freiberufler*innen liegt der Fokus auf der eigenen Arbeit und auf künstlerischen Dienstleistungen oder Werken.

Die Unterscheidung ist vor allem gegenüber der Finanzverwaltung und auch den Sozialversicherungsträgern relevant, die jeweils eigene Kriterien definiert haben. Da es hinsichtlich der Einordnung Unterschiede bei der Anmeldung der Tätigkeit und vor allem in der Besteuerung gibt, entscheidet am Ende das Finanzamt über die Einstufung. Wer nicht als freiberuflich anerkannt wird, ist automatisch gewerbetreibend.
Informationen zur Besteuerung der verschiedenen Tätigkeiten sowie auch zur Sozialversicherung für Selbstständige und Arbeitnehmer*innen/Angestellte finden sich in Kürze auch auf dieser Seite.

Generell gehören künstlerische Tätigkeiten, die selbstständig ausgeführt werden, zu den freiberuflichen Tätigkeiten. Dies gilt im Prinzip für alle Sparten. Es gibt bestimmte Kriterien, die für eine künstlerische Tätigkeit sprechen: die Ausbildung (zum Beispiel ein Hochschulstudium in einer bestimmten Kunstrichtung), die Beteiligung an Kunstausstellungen, Preise, Stipendien oder die Mitgliedschaft in entsprechenden Berufsverbänden.

Eine Übersicht bietet die Praxishilfe Freiberufliche Künstlerinnen und Künstler (deutsch) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Dies sind Beispiele für Tätigkeiten von Künstler*innen und Kreativen, die in der Regel als gewerblich eingestuft werden:

  • Betreiben eines Musik-Labels und/oder die Distribution von Tonträgern.
  • Betreiben eines Verlags, einer Galerie, einer Künstleragentur oder einer Werbeagentur.
  • Verkauf von seriell produzierter Kunst auf einem Markt – dafür ist ein Reisegewerbeschein notwendig.
  • Designen von Gebrauchsgegenständen mit geringer eigenschöpferischer Leistung.

Wichtig!
Künstler*innen und Kreative, die vor Beginn einer selbstständigen Tätigkeit in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis beantragen, sollten sich darüber klar sein, ob eine Aufenthaltserlaubnis für eine freiberufliche (§ 21 Abs. 5 AufenthG – freiberufliche Tätigkeit) oder gewerbliche (§ 21 Abs. 1 AufenthG – Selbstständige Tätigkeit) Tätigkeit beantragt wird. Diese Unterscheidung ist auch für den Aufenthaltstitel relevant. Eine spätere Änderung des Aufenthaltszweckes ist möglich, bedeutet aber zusätzlichen administrativen Aufwand.

Anmeldung der selbstständigen Tätigkeit beim Finanzamt und Steuernummer
Selbstständig Tätige müssen den Beginn ihrer Selbstständigkeit durch die Beantragung einer persönlichen Steuernummer bei dem lokal zuständigen Finanzamt melden. Dort wird eine persönliche Steuernummer ausgestellt, die für die angemeldete Tätigkeit gültig und mit dem zuständigen Finanzamt verbunden ist. Bei einem Umzug in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Finanzamts oder der Änderung der Tätigkeiten wird eine neue Steuernummer vergeben. Werden mehrere unterschiedliche Tätigkeiten (freiberufliche Tätigkeit und Gewerbe) gleichzeitig ausgeübt, werden oft auch mehrere Steuernummern ausgegeben.

Die Steuernummer wird für die Einkommensteuererklärung benötig. Außerdem dürfen Rechnungen über selbstständige Tätigkeiten nur mit einer gültigen Steuernummer (oder, falls vorhanden, mit der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer) geschrieben werden.

Die Anmeldung der Tätigkeit beim zuständigen Finanzamt (Finanzämter in Deutschland – Online-Suche) kann online getätigt werden. Sie erfolgt über das Formular „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ (Muster als pdf, deutsch). Der Fragebogen kann per Post oder persönlich übermittelt werden. Sollte die Zustellung der Steuernummer länger als zwei Wochen dauern, sollte beim Finanzamt nachgefragt werden.

Hinweis: Die persönliche Steuernummer ist nicht mit der Steuer-Identifikationsnummer zu verwechseln. Diese wird entweder direkt nach der Geburt oder auch bei erstmaliger Anmeldung eines Wohnsitzes in Deutschland automatisch zugeteilt. Sie gilt ein Leben lang und wird genutzt für die Kommunikation mit dem Finanzamt. Die Nummer ist mit persönlich Daten verknüpft, wie Geburtsdatum, Wohnort, zuständiges Finanzamt etc.

Anmeldung einer gewerblichen Tätigkeit beim Gewerbeamt
Gewerbetreibende müssen das Gewerbe ZUSÄTZLICH zur Anmeldung beim Finanzamt beim Gewerbeamt anmelden!
Zuständig ist das Gewerbeamt in der Stadt, in der das Gewerbe ausgeübt wird bzw. in der der Sitz des Gewerbes ist. Welche Behörde für die Anmeldung zuständig ist, ist in den Städten unterschiedlich geregelt. Meistens ist das Ordnungsamt, das Rathaus, das Bürgerbüro oder direkt das Gewerbeamt zuständig. Die Zuständigkeit lässt sich am besten im Rathaus am Wohnort erfragen (Gewerbeamt finden online).
In manchen Städten ist eine Online-Anmeldung möglich (Muster Formular Gewerbe-Anmeldung). Die Anmeldung des Gewerbes kostet je nach Ort eine Gebühr (zwischen 10 und 60 Euro).

Ein Gewerbe lässt sich auch rückwirkend anmelden. Eine ein- bis zweimonatige Verspätung sollte ohne Konsequenzen bleiben, wenn man selbst auf das Gewerbeamt zugeht.

Das Gewerbeamt sendet Informationen zur Anmeldung an das zuständige Finanzamt und ggf. an die Berufsgenossenschaft. Diese Behörden werden möglicherweise weitere Unterlagen von der/dem Antragsteller*in anfordern. Es ist also einiger Papierkram notwendig, auch sollte man sich auf längere Wartezeiten einstellen.

Gewerbetreibende müssen Mitglied in der Industrie- und Handelskammer (IHK) werden. Hier fallen jährliche Beiträge an, die abhängig vom Jahresumsatz und von der Rechtsform des Unternehmens sind. Es gibt Ausnahmen für eine Befreiung von der Beitragspflicht.
Die örtlichen IHKs geben dazu detaillierte Informationen, die auf den Websites zur Verfügung stehen (IHK-Finder).

Informationen rund um die Gewerbeanmeldung bietet die Website www.gewerbeanmeldung.de

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