Reise, Transport und Zoll

Autorin: Christine Heemsoth, IGBK, Berlin
Mitautorin Bereich Musik: Birgit Ellinghaus, alba Kultur, Köln

Reise, Transport und Zoll

Der Internationalität des Kultur- und Kreativsektors steht nicht selbstverständlich eine wachsende Liberalisierung des Grenzverkehrs gegenüber. Innerhalb der EU sind die Barrieren für die Ein- und Ausfuhr von Gegenständen und für Reisen von Künstler*innen und anderen Ensemblemitgliedern reduziert worden. Dennoch sind Vorbereitungen erforderlich, um die sichere und fristgerechte An- und Abreise von Künstler*innen und die Verbringung von Material zu Gastspielen und Ausstellungen sicherzustellen. Bei Vorhaben über die Grenzen der EU hinaus gilt dies einmal mehr.

Dass es sich lohnt, den Aufwand auf sich zunehmen, zeigt sich in der Praxis oft erst dann, wenn es zu Schwierigkeiten kommt: wenn bspw. bei einem Rücktransport von Gegenständen nach Deutschland der Deutsche Zoll diese festhält, weil vor Beginn des Transports die Rückwarenregelung vernachlässigt wurde oder wenn die Fluggesellschaft beim Check-in die Mitnahme eines Instruments in der Kabine nicht gestattet. 

Die Formalitäten im Zusammenhang mit Reisen und Transport von Kunstwerken, Musikinstrumenten, Equipment, Bühnenausstattung etc. sind mit einigem Aufwand verbunden und müssen selbst erledigt werden, sowohl bei Reisen innerhalb der EU als auch bei solchen über die Grenzen der EU hinaus (s. Zoll bei Reise und Transport) - sofern nicht eine Spedition oder ein Kurierdienst beauftragt wird (s. Speditionen, Kuriere, Eigentransport etc.).

Im Musikbereich kommt ein Transport von Instrumenten mit Speditionen oder Kurierdiensten und eine davon unabhängige Reise der*s Musiker*in zumeist nicht in Frage (enger Zeitplan, Musiker*innen trennen sich nicht gerne von wertvollen Instrumenten etc.). Sie dürfen jedoch mit ihren tragbaren Instrumenten und Geräten reisen, wenn diese zur Ausübung von freiberuflichen Tätigkeiten verwendet werden. Unter bestimmten Voraussetzungen werden sie als zollfreie bzw. abgabenfreie Güter behandelt. Und dennoch gibt es Aspekte zu beachten, wie bspw. die gesetzlichen Einschränkungen beim Transport von Kulturgut (s. Transport von Kulturgut).

Beispiel 1:
Ein Musikensemble aus Frankfurt startet eine Tournee durch die Benelux-Länder, Frankreich, Marokko und Spanien. Die sechs Musiker*innen reisen mit einem Teil ihrer Instrumente (Gitarre, Cello, Kora, Becken für Schlagzeug und Rahmentrommeln) sowie technischem Equipment (In-Ear Monitoring, MIDI) mit Zug und Flugzeug. Was ist zu beachten bezüglich Zollformalitäten sowie Versicherungs- und Verpackungsfragen?

Beispiel 2:
Eine Produzentengalerie in Berlin vereinbart ein Kooperationsprojekt mit einer Galerie in Jerewan, Armenien. Geplant sind zwei Ausstellungen: Eine der deutschen Künstler*innen in Jerewan und zu späterem Zeitpunkt eine der armenischen Künstler*innen in Berlin. Wie kommen die Arbeiten an ihre jeweiligen Bestimmungsorte und welche Zollformalitäten müssen dabei berücksichtigt werden?

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