Schritt für Schritt führt dich unser Guide zu allen wichtigen Informationen, die du für deine internationale Arbeit brauchen könntest.

Here we go!

The Guide

Künstlersozialkasse KSK


Seit dem 1. Januar 1983 gibt es die Künstlersozialversicherung (KSV) in Deutschland, die freiberuflich arbeitenden Künstler:innen sowie Publizisten und Publizistinnen Zugang zu den sozialen Sicherungssystemen ermöglicht, indem sie wie Arbeitnehmer:innen nur ca. die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge bezahlen müssen (s. Sozialversicherung in Deutschland). 
In Anlehnung an das Finanzierungsprinzip der gesetzlichen Sozialversicherung speisen sich die Beiträge zur Künstlersozialkasse ca. zur Hälfte aus Beiträgen der Künstler:innen sowie Publizisten und Publizistinnen; der Anteil entspricht dem Arbeitnehmeranteil in der gesetzlichen Sozialversicherung. Der sogenannte Verwerteranteil entspricht dem Arbeitgeberanteil und wird über die Künstlersozialabgabe der Verwerter:innen (30 %) finanziert; durch einen Zuschuss des Bundes werden weitere 20 % des Beitrages gedeckt. Dieser Zuschuss trägt dem Umstand Rechnung, dass sich ein Teil der Künstler:innen und Publizisten und Publizistinnen selbst vermarktet und dabei eine Abgabe von privaten Endabnehmern nicht anfällt. In der KSV treten demnach die Verwerter:innen der künstlerischen Arbeit sowie der Bund an die Stelle der Arbeitgeber:innen in ihre Pflicht, Sozialabgaben zu leisten. 

Die Künstlersozialversicherung ist selbst keine Kranken- oder Rentenversicherung. Als Versicherungsvertreter führen die gesetzliche Rentenversicherung und die gesetzlichen Krankenkassen (bei denen auch die Pflegeversicherung angegliedert ist) die Renten- bzw. Krankenversicherung durch. Das heißt die Beiträge, die in die KSK eingezahlt werden, werden von ihr – sozusagen als Mittler – an die jeweiligen Träger geleitet, bei denen der oder die Künstler:in oder Publizist:in versichert ist. In der Künstlersozialversicherung ist keine Arbeitslosen- und Unfallversicherung eingeschlossen. Dies müsste ggf. anderweitig abgesichert werden – privat oder über Berufsgenossenschaften.  

Allgemeine Informationen zur Künstlersozialversicherung finden sich hier, und das Wichtigste in Kürze hier.

Nach oben

Wer kann sich versichern?

Mit der Künstlersozialversicherung werden selbständige Künstler:innen sowie Publizisten und Publizistinnen in das gesetzliche Sozialversicherungssystem einbezogen. Künstler:in im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG) ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. Dazu gehören auch Designer:innen sowie die Ausbilder:innen im Bereich Design. Publizist:in im Sinne des KSVG ist, wer als Schriftsteller:in, Journalist:in oder in ähnlicher Weise publizistisch tätig ist oder Publizistik lehrt.

Eine weitergehende Definition enthält das KSVG nicht. Der von der KSK bereitgestellte Künstlerkatalog gibt zur Orientierung eine Übersicht über künstlerische/publizistische Tätigkeiten, die vom KSVG umfasst werden – darunter finden sich bspw. Alleinunterhalter:innen, Bildjournalisten und Bildjournalistinnen, Games-Designer:innen, Lektoren und Lektorinnen, Musiklehrer:innen, Visagist:innen, Werbesprecher:innen etc. Laut Aussage der KSK ist der Katalog nicht als abschließend oder statisch zu betrachten, bei vielen Tätigkeiten wird anhand von Tätigkeitsbeschreibungen im Einzelfall entschieden. Der Künstlerkatalog ist hier einsehbar.

Aufgrund der günstigen Krankenversicherungsbeiträge ist eine Versicherung im Rahmen des KSVG besonders attraktiv. Voraussetzung der Aufnahme in die KSK ist, dass eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausgeübt wird.  Die Künstler:innen sowie Publizisten und Publizistinnen schätzen ihr voraussichtliches Einkommen jeweils für das Folgejahr, auf dessen Grundlage die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherungsbeiträge veranschlagt werden. Die Mindestgrenze des Jahreseinkommen liegt dabei seit dem Jahr 2004 bei 3900 Euro.
Berufsanfänger:innen fallen nach dem KSVG unter einen besonderen Schutz. Auch wenn sie innerhalb der Berufsanfängerzeit von drei Jahren das erforderliche Mindesteinkommen nicht erzielen, werden sie in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung versichert. Die laufende Zeit kann nach dem KSVG durch Kindererziehungszeiten, Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst oder durch phasenweise abhängige Beschäftigungsverhältnisse unterbrochen werden. Diese werden nicht auf die Berufsanfängerfristen angerechnet. Die Beiträge für Berufsanfänger:innen, deren Einkommen unter dem des Mindestarbeitsverdienstes liegt, werden nach den jährlich angepassten Mindestbeiträgen berechnet. Andere Gruppen dürfen das Mindesteinkommen innerhalb von sechs Jahren zweimal unterschreiten.

Kann sich eine freiberufliche schottische Malerin, die für mehrere Monate nach Deutschland zieht, über die KSK versichern?

Künstler:innen und Publizist:innen, die nur vorübergehend in Deutschland arbeiten, werden nicht über die KSK versichert. Die KSK prüft dies bei der Antragstellung. 
Zudem gilt die schottische Malerin hinsichtlich ihres freiberuflichen temporären Aufenthaltes in Deutschland als (selbst-)entsendet entsprechend der Koordinierung der Sozialversicherung in Europa (s. Unterwegs in der EU). Hat der zuständige Sozialversicherungsträger in Schottland entschieden, dass das Sozialversicherungsrecht des Entsendestaates gilt, also das britische, darf sich die Künstlerin nicht bei einem anderen Träger der deutschen Sozialversicherung anmelden.

Nach oben

Verwerterabgabe/ Künstlersozialabgabe

Wichtig für Veranstalter:innen

Wer sind die Verwerter:innen und was müssen sie bezahlen?

Unternehmen, die regelmäßig Werke oder Leistungen selbständiger Künstler:innen oder Publizisten und Publizistinnen in Anspruch nehmen, müssen die Künstlersozialabgabe (KSA) entrichten. Sie sind als sogenannte Verwerter:innen dazu verpflichtet, den Arbeit­geber­anteil der Sozialversicherungsbeiträge für die Künstler:innen und Publizisten und Publizistinnen zu finanzieren und sich selbst bei der KSK zu melden (§ 24 KSVG - unter Ziffer (I) findet sich auch eine Auflistung der Verwerter:innen). 
Ab dem Jahr 2015 wurde eine Geringfügigkeitsgrenze eingeführt: Unternehmen, die nicht typische Verwerter:innen sind und die nur gelegentlich Werke oder Leistungen in Anspruch nehmen, sind abgabepflichtig, sobald Honorare von mehr als 450 Euro im Jahr gezahlt werden. 

Das bedeutet also, wer in Deutschland bspw. als Theaterveranstalter:in auftritt und (ausländischen) Künstlern und Künstlerinnen, die in Deutschland auftreten, ein Honorar zahlt, muss auf dieses die Verwerterabgabe leisten. Genauso fällt die Künstlersozialabgabe für Veranstalter:innen an, die Bildhonorare, Honorare für Textbeiträge etc. zahlen. Einen Überblick über die Berufe, die das KSVG abdeckt, bietet der Künstlerkatalog.
In 2017 galten 4,8 % als Verwerterabgabe, seit 2018 gilt ein Angabesatz von 4,2 % des Honorars. Im Jahr 2023 wurde der Abgabgesatz auf 5 % erhöht.


Geltungsbereich der KSK 

Ein dänisches Ballett veranstaltet eine Tournee in Deutschland. Tänzer:innen aus Deutschland sind nicht involviert. Muss der dänische Veranstalter hierfür die Künstlersozialabgabe (KSA) abführen?

Erhebungsgebiet der Künstlersozialkasse ist die Bundesrepublik Deutschland. 

Da während der Tournee Aufführungen auf dem Territorium der BRD stattfinden, ist Künstlersozialabgabe fällig. Ausländische Veranstalter:innen/Unternehmen sind in der Regel nicht abgabepflichtig; bestehen aber vertragliche Beziehungen zwischen deutschen Veranstalter:innen und ausländischen Unternehmen, so sind die deutschen Veranstalter:innen hinsichtlich der KSA in der Meldepflicht.
Im umgekehrten Fall, wenn ein in Deutschland ansässiges Ensemble in Dänemark auftritt, besteht keine Abgabepflicht für den deutschen Veranstalter. 

Die Abgabepflicht erstreckt sich auf alle gezahlten Honorare für künstlerische und publizistische Leistungen in Deutschland, auch wenn die Künstler:innen/Publizisten und Publizistinnen nicht nach dem Künstlersozial­versicherungsgesetz versicherungspflichtig sind (§ 25 Abs. 1 Satz 1 KSVG). Das bedeutet, dass die Verwerterabgabe auch beim Engagement ausländischer Künstler:innen sowie Publizisten und Publizistinnen fällig wird, solange der oder die Auftraggeber:in bzw. ein:e Kooperationspartner:in den Sitz im Geltungsbereich des KSVG hat.
 

Allgemeine Informationen der KSK zur Abgabepflicht von Veranstaltern und Veranstalterinnen finden sich hier

Weitere Informationen zur Abgabepflicht von Veranstaltern und Veranstalterinnen sind hier verlinkt.

Hier geht es zum allgemeinen Download von Informationsschriften der KSK für Unternehmen und Verwerter:innen.

touring artists Checkliste: Künstlersozialabgabe und grenzüberschreitende Tätigkeiten findet sich hier.

Nach oben

Checklisten

Checkliste Künstlersozial-
abgabe + Auslandsbezug pdf

Temporär arbeiten in
Deutschland u. Frankreich pdf

Checkliste: Im Ausland -
versichert im Krankheitsfall pdf