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Wohnsitz Türkei: Einkommensteuer

Für selbstständige Künstler*innen und Kreative mit Wohnsitz in der Türkei, die in Deutschland auftreten oder eine*n in Deutschland ansässige*n Vertragspartner*in haben, sind in Deutschland vor allem zwei Steuerarten relevant: die Einkommensteuer und die Umsatzsteuer.

Im Folgenden finden Sie Informationen rund um die Einkommensteuer.
Informationen rund um die Umsatzsteuer bei Wohnsitz in der Türkei finden Sie hier.

Beim Thema Einkommenssteuer stellt sich stets die Frage, wo das Einkommen bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten versteuert werden muss.
Weltweit gelten dabei ähnliche Prinzipien. Es wird zwischen dem Wohnsitzstaat , dem Staat, in dem man den größten Teil des Jahres verbringt und dem Quellenstaat, dem Staat, in dem man beispielsweise lediglich ein Gastspiel hat oder an einer Ausstellung teilnimmt, unterschieden. 

Unbeschränkt steuerpflichtig im Wohnsitzstaat
Künstler*innen gelten im Wohnsitzstaat in der Regel als unbeschränkt steuerpflichtig und müssen dort ihr Einkommen aus der ganzen Welt versteuern. Bei einem Umzug von der Türkei nach Deutschland wird also Deutschland der neue Wohnsitzstaat. Das deutsche Finanzamt darf dann das weltweit erzielte Einkommen besteuern. Es ist also nicht möglich selber zu entscheiden, in welchem Land für welche Einkünfte Einkommensteuer gezahlt wird.

Beschränkt steuerpflichtig im Quellenstaat
Bei Künstler*innen, die außerhalb des Wohnsitzstaates tätig werden, ist zu prüfen, ob sie für ihre Tätigkeit im Ausland auch dort (Quellenstaat), in diesem Fall Deutschland, Steuern zahlen müssen.

Ausländersteuer“: Abzugssteuer für den Vergütungsschuldner nach § 50 a EStG
§ 50 a EStG regelt, dass in Deutschland auf bestimmte Einkünfte die Steuer in Form des Steuerabzugs zu erheben ist, die sogenannte Ausländersteuer. Demnach muss die*der Vergütungsschuldner*in (also die*der Auftraggeber*in in Deutschland) die Steuer von der Vergütung abziehen, einbehalten und an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) abführen. Der Steuerabzug betrifft insbesondere

  • Einkünfte, die durch im Inland ausgeübte künstlerische Darbietungen erzielt werden, einschließlich der Einkünfte aus anderen mit diesen Leistungen zusammenhängenden Leistungen, vgl. § 50a Abs. 1 Nr. 1 EstG;
  • Einkünfte aus der inländischen Verwertung, beispielsweise Sendung einer Darbietung im Rundfunk, von inländischen Darbietungen, vgl. § 50a Abs. 1 Nr. 2 EstG;
  • Einkünfte, die aus Vergütung für die Einräumung von Nutzungsrechten, beispielsweise hinsichtlich einer Stückfassung, eines Musikstücks, eines Bühnenbildes etc., herrühren und in Deutschland verwertet werden, vgl. § 50a Abs.1 Nr. 3 EstG.

Wann erfolgt kein Steuerabzug?

Milderungsregel nach § 50 a EStG

Bei einem Honorar bis zu 250,00 Euro (Bruttovergütungsvereinbarung) pro Person pro Auftritt (pro Künstler*in bei GbRs, pro juristischer Person bei GmbHs, Vereinen etc.) fällt keine Ausländersteuer an. Probenhonorare und Auftrittshonorare werden nach der bisherigen Rechtsprechung als einheitliche Leistung behandelt (BFH, Beschluss vom 30.03.2011 – I B 178/10 – Vorinstanz: Sächsisches Finanzgericht, Urteil vom 24.06.2010 – Az.: 2 K 1022/10; Blümich Wied, 134. Auflage. 2016, EStG § 50a Rn. 42 u. 47).

Die Freigrenze gilt nur für Darbietungen und nicht für Nutzungsrechte.

Steuererlass nach § 50 Abs. 4 EStG i.V.m. dem Kulturorchestererlass (sofern keine anderen Befreiungsmöglichkeiten nach einschlägigem DBA, s.u.)

Kulturvereinigungen aus dem Ausland (strittig ist, wie viele Personen in einer Kulturvereinigung sein müssen; jedenfalls keine Solokünstler*innen!) können freigestellt werden. Der Auftritt muss mindestens zu 1/3 aus inländischen oder ausländischen öffentlichen Mitteln gefördert sein.

Freistellung aufgrund DBA nach § 50 d EStG

Deutschland hat mit der Türkei zur Vermeidung der Doppelbesteuerung ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen.  In diesem Abkommen hat sich Deutschland mit der Türkei darauf verständigt, welcher Staat in den Fällen das Besteuerungsrecht hat, in denen natürliche oder juristische Personen in einem anderen als ihrem Herkunfts- oder Wohnsitzland Einkünfte erzielen. Sofern der § 50 a EStG von dem DBA abweicht, kann beim BZSt eine Befreiung von der Zahlung der Ausländersteuer beantragt werden. Der Steuerabzug kann nur unterlassen bzw. reduziert vorgenommen werden, sofern eine Freistellungsbescheinigung des BZSt vorliegt.

Dies betrifft insbesondere nachfolgende Sachverhalte:

  • Öffentlich geförderte Veranstaltungen
    Nach Artikel 17 Absatz 3 des DBA kann eine Freistellung von der Abführung der Einkommensteuer in Deutschland beantragt werden, wenn der Auftritt überwiegend aus öffentlichen Mitteln des Wohnsitzstaates (hier also der Türkei) gefördert oder überwiegend von einer vom Wohnsitzstaat als gemeinnützig anerkannten Einrichtung finanziert wird. In diesem Fall können die Einkünfte nur im Wohnsitzstaat besteuert werden. Der in Deutschland ansässige Veranstalter muss in diesem Falle eine Freistellung beantragen. Ein entsprechendes Formular findet sich hier unter der Überschrift „Künstler/Sportler“.
  • Einräumung von Nutzungsrechten
    Bei der Einräumung von Nutzungsrechten kann nach Art. 12 des DBA eine Besteuerung zu einem Steuersatz von nur 10 % beantragt werden. Es handelt sich demnach um einen niedrigeren Steuersatz als dem nach § 50 a EStG. Sofern eine Freistellung vorliegt, müssen Steuern in Höhe von lediglich 10 % gezahlt werden.

Wichtig bei Honorarverhandlungen: Höhe der Steuern und Bemessungsgrundlage
Die Berechnung der Steuer unterscheidet sich je nachdem, ob sich die Vertragsparteien auf eine Nettovergütung oder eine Bruttovergütung geeinigt haben. Die Höhe der Ausländersteuer beträgt bei einer Bruttovergütung 15,825 % des Honorars, bei einer Nettovergütung 18,80 % des Honorars.
Weitere Informationen zur Höhe der Steuern, zur Bemessungsgrundlage und den Vertragsformulierungen finden sich auf touring artists im Kapitel Einkommensteuer und in der Checkliste "Ausländersteuer" Darstellende Kunst.


Anrechnung der in Deutschland gezahlten Steuern in der Türkei

Artikel 22 des DBA bestimmt, dass die in Deutschland entrichtete „Ausländersteuer“ bei der in der Türkei zu zahlenden Steuer angerechnet wird (Anrechnungsverfahren). Die*der Künstler*in benötigt für die Anrechnung der in Deutschland gezahlten Steuer in der Türkei eine Bestätigung der in Deutschland gezahlten Steuern.

Achtung: Sofern die*der Künstler*in jedoch so wenig verdient hat, dass er in der Türkei keine Steuern zahlen muss, bzw. die in Deutschland gezahlten Steuern die Steuern in der Türkei übersteigen, erhält er die in Deutschland gezahlten Steuern auch nicht in der Türkei zurück.

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